Bilderverbot

 

"Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist."
(Exodus, 20, 4)
 


"Eine wirklich sehr schöne Internetseite (anschauliche Mathematik), die sie da haben. Sehr schön, wie sie ihre Begeisterung für die Mathematik transportieren können.
Nur leider werden einige Bilder nicht angezeigt. Hat das was mit dem »Bilderverbot« zutun? Echt schade, da ja »anschauliche Mathematik« wesentlich anschaulicher mit Bildern ist."
(C.H.)

"Tolle Seite! sehr lehrreich und amüsant. :) Aber leider sind ganz viele Bilder gar nicht da. Schade."
(L.B.)

"[...] was du so schreibst auf deiner page, ich meine die dinge über copyright, ist sehr interessant und auch sehr richtig. [...]"
(a.)
 

Prämissen:
  • :

"[...] Bei der Umsetzung der Richtlinie 2001/29/EG in das Urheberrecht hat der Gesetzgeber bisher vornehmlich die Belange der Rechteverwerter zur kommerziellen Nutzung der digitalen Medien und der Netze als zusätzliche Vertriebswege berücksichtigt. Im Vordergrund standen vor allem die Vermeidung von Risiken für die private Rechteverwertung und nicht die Nutzung der mit den neuen technischen Medien verbundenen Chancen für die Allgemeinheit. Dies gilt insbesondere für den Bereich von Bildung und Wissenschaft. [...]"


Der Kapitalismus frisst gnadenlos alles, d.h. "das" Leben wird zunehmend vollständiger dem Diktat der Ökonomie unterworfen

(die Diagnose von Karl Marx wird immer zutreffender).

Nur drei Beispiele:

  1. Die wahrhaft wunderschöne Kinderbuchreihe "Pettersson und Findus" von Sven Nordqvist wird

(wie jeder andere "Kinderkrams" auch)

restlos vermarktet, d.h. da erscheint noch das (siebtklassige) Kurzheftchen zum T-Shirt zur Plastikfigur zum Lang- zum Kurzfilm zum Sticker zum Hörbuch zum Buch.

(Aber wehe, ein Kind ist mal von den gelesenen Büchern begeistert, malt ein eigenes Bild und schreibt den ®-Namen drunter; vgl. 3.)

  1. Wirklich jeder Müll ist heutzutage mit einem Markenzeichen versehen, und all die Affen sind auch noch scharf auf Markenklamotten und sonstige -dinge

(während ich kaum mehr T-Shirts oder Jeans ohne irgendwelche blödsinnigen Aufdrucke und Markenzeichen bekomme - oder die Markenzeichen mühsam entfernen muss).

  1. und mein eigentliches Thema hier:

das Copyright wird gnadenlos durchgepeitscht:

es gibt Leute, die den ganzen Tag nichts anderes tun, als das Internet nach Copyright-Verletzungen zu durchforsten (gähn!) und dann im zweitbesten Fall Unterlassungs-Abmahnungen zu verschicken, im schlechtesten Fall aber stante pede vor Gericht horrende Strafen einzuklagen (vgl. etwa ).

Dabei wird leider - es geht nur um Geld! - nicht im mindesten Rücksicht darauf genommen, ob ein Bild kommerziell oder privat, vor allem aber - wie auf meinen Internetseiten! - "zur höheren Ehre Gottes" benutzt wird.

Die Folgen sind zweifelsohne fatal: man darf bald rein gar nichts "Fremdes" mehr nutzen, d.h.

jegliche geistige Auseinandersetzung

(und sei´s ein dickes Lob)

wird abgewürgt.

Zwei Beispiele:

  1. Ein "Privatmensch" kann kaum mehr - wie in - Magrittes Bild "Ceci n'est pas une pipe" weiterdenken (!), weil ihn die "Benutzung" nur dieses einen Bildes ca. 50 € in jedem (!) Monat kosten würde.

(Ich möchte gar nicht ausrechnen, was mich die Benutzung all der anderen 1000 Bilder kosten würde, die ich dringend zur Vermittlung meiner Inhalte bräuchte.)

  1. (Nicht nur) für mein Zentralthema sind Bilder geradezu unerlässlich!

Also angenommen mal, ich brauche dafür ein Bild einer parabelförmigen Brücke. Nun wüsste ich auf Anhieb gar nicht, wo eine (besonders eindrückliche) steht. Und falls ich es wüsste: sollte ich extra für ein einziges Bild 100 km fahren, nur um selbst ein Foto zu machen? Also suche ich im Internet - und werde natürlich auch schnell fündig. Nun ist es aber gar nicht so leicht, herauszufinden, wer das Bild-Copyright besitzt, und Nachfragen - falls überhaupt möglich - werden regelmäßig nicht beantwortet.
Und ich ahne schon, dass irgendein Spanienurlauber, der zufällig - außer viel Landschaft - auch rechts hinten eine parabelförmige Brücke fotografiert hat, die ich gut brauchen könnte, mich auf 100.000 € wegen meiner Copyright-Verletzung verklagen würde - und damit vor Gericht durchkäme!

(Es ist - nebenbei - schier unglaublich, dass man sich sogar die Rechte an historischen Personennamen sichern kann - und dann beispielsweise ein Bäcker schwer "blechen" muss, der seine Brötchen nach solchen Personen benennt.
Da werde ich mich doch wohl mal zwecks Beseitigung der notorischen Ebbe in meiner Kasse um das Copyright für das Wort "Goethe" kümmern müssen. Wohlgemerkt: dafür muss ich nicht die mindeste eigene Idee haben - außer eben der Idee der Vermarktung.)


Ich hab´s satt, permanent in der Angst vor (völlig legalen) Copyright-Anwälten leben zu müssen, und deshalb nehme ich wegen der Gefahr, evtl. gigantische, mich geradezu "existentiell" bedrohende Strafen für die Verletzung (!) von Copyrights zahlen zu müssen, hiermit nun also all diejenigen Bilder aus meinen Internetseiten raus, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob da ein fremdes Copyright besteht.

Man mag das

(gerade bei der Menge der nun fehlenden Bilder)

als nachträgliches Schuldeingeständnis ansehen.

Vielmehr gilt wohl eher,

  1. , dass ich naiv oder allzu gutmütig war

(ich dachte immer, ein eventueller Copyright-Inhaber würde bei meiner "selbstlosen" Bilder-Verwendung beide Augen zudrücken oder mich im schlimmsten Fall nur bitten, ein Bild von meinen Internetseiten zu entfernen),

  1. "Ich bin etwas lax in Fragen des [auch meines eigenen!] geistigen Eigentums." (Bert Brecht): ich dachte immer, Kultur sei geistiger Austausch.

Bis ich (schmerzlich?) eines Besseren belehrt werde, richte ich mich nach:

"Ist der Zweck eines Zitates, eine eigene Aussage zu untermauern, so ist das Zitat zulässig. Natürlich sollte die Länge des Zitates in einem vernünftigen Verhältnis zum restlichen Text stehen und noch entscheidender – die eigene geistige Leistung sollte in einem angemessenem Verhältnis zum zitierten Text stehen."
(zitiert nach rote Hervorhebungen von mir, H.St.)

Das impliziert für mich, dass sehr wohl auch Ausschnitte (!) aus Musikstücken, Filmen (insbesondere Standbilder) oder Comics erlaubt sind, solange diese Ausschnitte eben kurz und Teil einer - bei mir immer vorhanden! - eigenen Argumentation sind.

Und dann denke ich mir noch ganz naiv, dass die Abbildung von Buch-, Zeitschriften-, Computerspiel- und Plattencovern

(also Ausschnitten!; und zudem mache ich für alles Abgebildete ja auch Reklame)

doch wohl kaum verboten sein wird.

Des weiteren gehe ich davon aus, dass das Urheberrecht nach 75 Jahren erlischt, Bilder aus der Zeit davor also "public domain" sind.

Insbesondere nehme ich für mich bei jeglicher Verwendung von Bildern aber "eine eigene Aussage" bzw. eine "eigene geistige Leistung" in Anspruch sowie:

"§ 51 UrhG Zitate
Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe, wenn in einem durch den Zweck gebotenen Umfang
  1. einzelne Werke nach dem Erscheinen in ein selbständiges wissenschaftliches Werk zur Erläuterung des Inhalts aufgenommen werden,
  2. Stellen eines Werkes nach der Veröffentlichung in einem selbständigen Sprachwerk angeführt werden [...]"

(ebenfalls zitiert nach , farbliche Hervorhebung von mir, H.St.)

Denn meine Internetseiten beschäftigen sich weitgehend mit Schule, also "Wissenschaftspropädeutik"!

Die von mir benutzten Bilder waren/sind nicht bloß hübsche "add-ons" (Schnickschnack), sondern (manchmal ironische) Bestandteile meiner Argumentation: sie veranschaulichen nicht "nur", was mit Worten allein nicht zu vermitteln wäre, sondern bilden eine eigene metaphorische Ebene, ohne die von einigen Texten nichts mehr übrig bliebe.


Aber sehen wir´s positiv: immerhin hat all das den Vorteil, dass meine Internetseiten erheblich schneller sichtbar sein werden.

Und ab jetzt werde ich mich noch mehr auf die (auch bildhafte!) Macht der Sprache verlassen!


"Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe."
(1 Genesis)


PS:

Sollte irgendwas übrig geblieben sein, worauf sonst jemand ein Copyright besitzt, bin ich gerne jederzeit bereit, auch diesen letzten Rest zu entfernen.