10 % passen nicht ins Schulsystem

  Man könnte natürlich sagen

(und ein ehemaliger Schulkamerad hat es tatsächlich letztens sinngemäß so zu mir gesagt):

"Ich hatte eine schlechte Schule.
Das war eine gute Lehre."
(Arnfried Astel)

Konsequent weitergedacht:
Schule kann gar nicht schlecht genug sein

bzw.

"Was mich nicht umbringt, macht mich stärker."
(Friedrich Nietzsche)

Die Zahl "10" ist natürlich willkürlich gewählt: genauso können es 7 oder 17 % sein. Es scheint mir "nur" eine relative Minderheit zu sein, aber was heißt schon "nur"?: jeder konkrete Einzelfall ist oftmals tragisch und einer zu viel

(aber - sagen zumindest die Denkfaulen voreilig - leider nicht zu verhindern?).


70 %

Ca. 70 %

(eine ebenso willkürlich gewählte Zahl)

der Schüler kommen mehr oder minder gut durch die Schule, wobei ich mit "gut"

(Aber ist jemand wirklich "seelisch unbeschadet",

[was ja heutzutage gar nicht mehr so schwierig ist]

durchaus eine Eins vorm Komma schafft und damit beispielsweise Medizin studieren kann?!)


20 %

Die 10 %, die ich hier meine, sind nicht zu verwechseln mit den 20 % "sowieso" komplett Überforderten, also beispielsweise jenen, die von Pappi & Mammi aufs Gymnasium geprügelt werden, obwohl ihre Intelligenz dazu einfach nicht reicht

(und die deshalb

[wie fürchterlich für ein kindliches Selbstbewusstsein!]

permanent Misserfolgserlebnisse einfahren).

Und doch stinkt es mir, jene "20 %" pauschal und endgültig als "sowieso" komplett überfordert abzuheften.


10 %

Mir geht es hier aber um die "restlichen" 10 %, von denen man natürlich sagen könnte:

(trotz der derzeit programmatischen und allemal notwendigen »individuellen Förderung«)

nicht jedem gerecht werden

(zumal Schule nur einer von vielen gesellschaftlichen Einflüssen auf Jugendliche ist)".

Mit den "10 %" meine ich Schüler, die sehr wohl intelligent sind, aber einfach nicht ins typische Leistungsraster von Schulen passen, nämlich z.B.

(drei hyperaktive Schüler in einer Klasse, und man kann geregelten Unterricht komplett vergessen),

(wobei man sich ja fragen kann, ob die Schule Legasthenie und Dyskalkulie überhaupt erst erzeugt),

(die Umkehrung gilt allerdings nicht automatisch: nur weil jemand besonders blöd zu sein scheint, ist er noch lange nicht in Wirklichkeit hochbegabt;

nebenbei: ich werde das Gefühl nicht los, dass die meisten der "10 %" Jungen sind).


In meinem Bekannten- und Freundeskreis

(also einer "gutbürgerlichen" Akademikerschicht; ich rede hier also nicht von den sozialen "losern"

[vgl. ])

gibt es

(was zumindest für mich neu und somit erstaunlich ist)

enorm viele Kinder, die zu den soeben herausgearbeiteten "10 %" gehören.

Nur "was will uns das sagen"?:

(Waren es also früher vielleicht nur 5 % und sind es bald vielleicht schon 15 %?)

Und wenn ja, woran liegt das?

(Sind beispielsweise die bösen Smartphones, Computer und Spielkonsolen schuld?)

(Waren es also schon immer 10 %? ... wodurch es nicht besser würde.)


Ein "never ending" Grundproblem sind die viel zu großen Klassen: wenn ein Lehrer 30 Schüler

(und außerdem in verschiedenen Klassen 25 und mehr Stunden pro Woche)

unterrichten muss, hat er gar keine Zeit für "individuelles Lernen". Und er weiß

(wenn er zudem eine Klasse als Fachlehrer nur zwei oder drei Stunden in der Woche unterrichtet)

fast gar nichts über die einzelnen Schüler

(vgl. ),

so dass er sie alle geradezu über einen Kamm scheren muss.

Unter solchen Umständen muss ein Lehrer fast froh sein, wenn die Schüler einfach nur "ihre Schnauze halten" und brav (schlafend) dem Frontalunterricht (nicht) folgen.

Für die "10 %", um die es hier geht, sind also dringend kleinere Klassen nötig, damit sich die Lehrer wirklich halbwegs individuell um die "10 %" kümmern können.

Ich kenne sogar Schüler, die eigentlich

(wie utopisch!)

zumindest zeitweise fast eine 1:1-Betreuung bräuchten: einen respektablen Erwachsenen, der sie kameradschaftlich bei der Hand nimmt.

Für eine gute Idee halte ich auch .


Ich hatte oben gesagt, dass die "10%"

"[...] sehr wohl intelligent sind [...], [...] aber einfach nicht ins typische Leistungsraster von Schulen passen".

Die Standard-Schule verfährt, wie ebenfalls schon gesagt, weitgehend kognitiv, hat also einen völlig verengten Begriff von

(angeblich mit Intelligenztests messbarer!)

Intelligenz:

 
(wie beeindruckend!)

In Wirklichkeit ist aber Intelligenz viel weiter gefächert:

Es gibt z.B. eine eiskalt "logisch-mathematische Intelligenz", der jedes Einfühlungsvermögen (also "personale Intelligenz") fehlt und somit wohl (einseitig) intelligent, aber nicht intellektuell ist.

Oder ein Beispiel aus meiner Verwandtschaft: ein achtjähriger Junge erbrachte in der 3. Klasse nur höchst mittelmäßige Leistungen

(sodass er nach der 4. Klasse keine Gymnasialempfehlung bekam),

war aber ein genialer Lego®bauer mit schier unglaublicher räumlicher Vorstellungskraft ("räumliche Intelligenz") und in mechanischem Verständnis und mechanischen Fertigkeiten regelrecht hochbegabt.

Als die Mutter das ein wenig verzweifelt auf einem Elternsprechtag der Klassenlehrerin erzählte, antwortete diese nur sinngemäß:

"Das ist ja sehr schön für den Jungen, aber im Hinblick auf die Schule irrelevant. Soll der Junge später doch Automechaniker werden, aber dafür muss er ja nicht aufs Gymnasium."

Später auf der Gesamtschule ist der Junge dann aber aufgeblüht und bringt bis jetzt (mit 16 Jahren) ordentliche Zensuren mit nach Hause.

(Eigentlich hätte die Klassenlehrerin heilfroh sein sollen, dass sie eine Besonderheit [Lego®-Bauen] ihres Schülers erfuhr: Lehrer wissen, wie schon gesagt, viel zu wenig über ihre Schüler, und da sollten sie doch dankbar sein, wenn ein Schüler "bemerkenswert" wird und endlich aus der grauen Masse seiner allzu großen Klasse hervortrit.

Die Lehrerin hätte also denken können:

"Ist ja interessant, und auf diesen Jungen werde ich ab sofort vermehrt achten."

Vielleicht hätte sie es ja sogar geschafft, die Fähigkeiten des [und nicht nur dieses] Jungen in den Unterricht einzubauen, indem sie beispielsweise ab sofort Lego® zur Veranschaulichung mathematischer Sachverhalte benutzt hätte.

Aber dazu muss man als Lehrer

[die meisten Lehrer können aber nichts außerhalb ihrer - zudem sehr eng verstandenen - Fachgrenzen],

Die Klassenlehrerin des Jungen war dazu aber anscheinend völlig unfähig, und überhaupt gibt es wohl viele Lehrer, die "abweichendes" Verhalten nur als störend, wenn nicht gar schlecht empfinden.)


Eine interessante Idee habe ich mal an einer französischen Partnerschule "meiner" Schule gesehen:

für die Schüler, die durch Standard-Unterricht nicht erreichbar waren, hatte man mitten im Schulzentrum einen Block gebaut, in dem ein sehr praktischer Unterricht u.a. von Handwerksmeistern erteilt wurde.

Sowas finde ich gut und richtig, solange es keine endgültige und komplette Trennung ist. Ich könnte mir also vorstellen, dass dort zeitweise auch die "normalen" Schüler unterrichtet werden

(und obwohl ich hardcore-Kognitives für zentrale Aufgaben von Gymnasien halte, sollten diese von wegen Allgemeinbildung doch gleichzeitig auch "polytechnisch" ausbilden:


[technische Zeichnung des späteren Physikgenies Paul Dirac aus seiner Grund(!)schulzeit])
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