was eineN guteN LehrerIn ausmacht?

  vgl.
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"Wähle einen Beruf, den du liebst, und du musst keinen Tag im Leben arbeiten."
(Konfuzius)


"[...] ein den Schülern zugewandter Lehrer, der stets herauszufinden verstand, was einen Schüler am meisten interessierte, und dies dann mit dem Thema verband, das gerade behandelt wurde."
(Quelle abhanden gekommen)


Zwar sollte jede Unterrichtsidee mal in freier Wildbahn, also in realem Unterricht, auf ihre Tauglichkeit hin überprüft werden

(und selbst wenn sie sich einmal als brauchbar erweist, ist sie noch lange nicht pauschal in jedem Unterricht brauchbar).

Aber Vorsicht!: wer (wie ich?) gute Unterrichtsideen entwickelt, ist noch lange kein guter Lehrer.

(Beispielsweise kann ein guter methodischer Ansatz schnell dadurch zerstört werden, dass der Lehrer ihn "schweineautoritär" umsetzt.)

Umgekehrt ist aber eine Unterrichtsidee nicht gleich deshalb schlecht, weil ihr Urheber sie nicht umzusetzen versteht.

(Vgl. menschlich unzulängliche Künstler, deren Werk dennoch genial ist.)


 

Ich weiß auch, dass mein Unterricht bei Weitem nicht so gut ist wie meine Ideen:

Ins Bild Gästebuch hatte jemand allein aufgrund meiner Internetseiten geschrieben:

"Toll, dass es solche Lehrer gibt!"

Und in einem Bild Email schrieb jemand:

"[...] wenn ich denn eine Stelle zu vergeben hätte, so wären Sie der erste, der diese bekäme [...] versuchen Sie es doch einfach mal mit einer Bewerbung - die Berliner Schüler würden es Ihnen danken!"

Oder:

"Gerne möchte ich ihnen noch sagen, dass Ihr Deutsch-Unterricht damals erfrischend anders gewesen ist. Unsere Klasse war damals wirklich traurig, als sie uns nicht mehr unterrichten konnten."

Das höre ich natürlich gerne! - und doch: irritierender ist da schon folgende Anfrage im Bild Gästebuch:

"Sind Sie im Unterricht eher einer der faden moralinsauren Sorte (mit guten Ideen in der Hinterhand), die zuhause gute Sites basteln[,] oder ist Ihr Unterricht so menschengerecht wie diese »Webpräsenz«?"

Oder so richtig haut es rein, wenn ein ehemaliger Schüler schreibt

(was doch immerhin eine wichtige Stimme im Gesamtchor sein könnte):

"Ich habe gerade zufällig ihre vielfältige(n) Seite(n) entdeckt, und muss ihnen dazu natürlich auch ein Kompliment aussprechen.
[...]
Die Mathematik Seiten sind eine echte Alternative zu »trockenen« Lehrbüchern und mich hat überrascht was »hinter« einem Lehrer steckt, dessen Unterricht ich doch besuchen durfte. Im Unterricht habe ich sie zwar immer als Menschen gesehen, dem »stofflich« keiner was vormacht, doch konnten sie nie diese Begeisterung austrahlen die sie hier auf dieser doch eher anonymen Plattform vorstellen. (Ich denke sie machen sich nicht so viel Arbeit für eine Sache die sie nicht begeistert). Sie wirkten oft ( wie viele andere Lehrkräfte auch ) eher frustriert und lustlos. Wenn die Klasse nicht mal nach ihrer Pfeife getanzt hat, gaben sie doch recht schnell auf. Und ich glaube nicht, dass das nur an unserer unmöglichen Klasse lag.
[...]
Ich wünsche mir das [...] dieser Enthusiasmus der sich auf ihren Seiten widerspiegelt, endlich mal Einzug in den Schulalltag hält, und er nicht einfach nur im achso modernen World-Wide-Web verpufft. "

Ein netter kleiner Trost ist es da allerdings, wenn zwei ehemalige SchülerInnen schreiben:

"schön zu sehen, dass sie scheinbar noch immer ihre »etwas andere« vorstellung von unterricht und lehrmethode haben."

"Und schon studiert man Masch'bau. Da haben Sie aber einen guten mathematischen Grundstein gelegt."

Gründe dafür, dass auch mein Unterricht nicht das Gelbe vom Ei ist, scheinen mir vor allem zu sein:

  • die Systemzwänge ( Bild Stoff- und Klausurdruck, Bild , Bild ) ,

  • der alltägliche Stress (zu große Klassen und zu viele Stunden, Formalschwachsinn)

  • oder doch meine Phantasielosigkeit in der Praxis

  • und meine Ungeduld bzw. vorwärtsstürmende Neugierde?

  • Vielleicht liegt's aber auch daran (ich fühle mich da ein wenig erwischt), was oben zitierter Schüler angedeutet hat: "Wenn die Klasse nicht mal nach ihrer Pfeife getanzt hat, gaben sie doch recht schnell auf." ... wobei mir

(mache ich mir da was vor?)

das Nach-der-Pfeife-Tanzen weniger treffend scheint als das frühe Aufgeben. Mir fehlt die (manchmal durchaus positive) Gabe, SchülerInnen zeitweilig zu ihrem Glück zu zwingen.


 

Wünsche von SchülerInnen an eineN guteN LehrerIn, formuliert im Französisch-Unterricht:

  • jeune,
  • beau,
  • respecter les élèves,
  • bien expliquer,
  • gentil,
  • comprendre les blagues,
  • juste,
  • ne donner beaucoup de devoirs

Auf der Rückseite einer "Mathe ist ein Arschloch!"-Karte:


"Mein Mathelehrer ist auch mein Relilehrer, ein wirklich faszinierender Mensch, und ein Mitschüler meines Relikurses meinte einmal, wie absurd es doch sei Religion und Mathematik zu lehren, und er erwiderte, dass, wenn er etwas nicht beweisen könne, er immer noch daran glauben könne. Er versteht es Begeisterung für die Dinge, die er uns zeigt, zu wecken ..."
(J.N. über einen anderen Mathelehrer)
 


Mir wurde mal vorgeworfen (vgl. Bild ), es sei entlarvend, dass ich mich immer nur "Lehrer", nicht aber "Pädagoge" nenne. Das hat den ganz einfachen Grund darin, dass "Lehrer" ein Beruf, "Pädagoge" hingegen ein Ideal ist, das bereits erreicht zu haben ich mir nicht anmaße.

(Vgl.: ein Philosophielehrer ist noch lange kein Philosoph und ein Kunstlehrer noch lange kein Künstler.)

  1. gibt es "den" idealen Lehrer gar nicht, denn das Ideal wäre eine überforderung an jeden realen Lehrer: man müsste schon ein Genie und gleichzeitig heilig sein, um alle Anforderungen zu erfüllen:

das Ideal

(bzw. die längst verwirklichte "konkrete Utopie")

besteht vielmehr darin, dass sich die verschiedenen Lehrercharaktere

(und nebenbei auch ihre Wahrnehmungen des jeweiligen Fachs)

abwechseln und die SchülerInnen damit verschiedene, einander ergänzende Perspektiven und Einstellungen kennen lernen;

(für einen regelmäßigen Lehrerwechsel bin ich schon allein deshalb,

  1. : weil es "den" idealen Lehrer nicht gibt, kann ich (als realer Lehrer) ihn mir auch nicht in allen Facetten ausdenken: unten werden also zweifelsohne einige Eigenschaften "des" idealen Lehrers fehlen;

  2. bin ich weit davon entfernt zu meinen, ich sei der ideale Lehrer: man bildet sich zwar gerne ein (und meint sogar Indizien dafür wahrzunehmen),

(man erreicht ja sowieso nur - aber das ist doch schon allerlei! -  ca. 5 % der SchülerInnen, nämlich die, die sowieso schon aufgeschlossen waren; dem Rest kann man im besten Fall solide Standardverfahren beibringen),

aber wer ist sich schon sicher (dürfte es sein), ob das auch wirklich stimmt?

Bild

Wenn einem

(was überhaupt erst lange nach der Schulzeit möglich ist)

einE ehemaligeR SchülerIn

halbwegs ernsthaft sowas schreiben würde, was hier natürlich vor Ironie trieft, so wäre doch wohl jedeR LehrerIn sehr gerührt und auch wohl ein wenig stolz - und erleichtert. JedeR (auch in anderen Berufen) lechzt doch nach solchen viel zu seltenen Worte und muss, wenn sowas dann doch mal kommt, mindestens zehn Jahre davon zehren.

(Man korrigiere

aneinander und wird merken: so schlecht bin ich gar nicht.)

Nein, so phantastisch finde ich mich wahrhaft nicht. Vielmehr sehe ich durchaus bei KollegInnEn beneidens- oder wohl eher bewundernswerte Eigenschaften, die mir abgehen

(um die ich mich aber immerhin bemühen sollte?).

"Versuche niemals, andere [KollegInnEn] so zu machen wie dich selbst. Denn du weißt es - und Gott weiß es auch! -, dass einer von deiner Sorte reicht."

(Bei mir ist auch jede zweite Stunde Schrott.)

  1. ist der ideale Lehrer sogar ein potentiell gefährliches Leitbild:

heutzutage wird ja von LehrerInnen das schier Unmögliche erwartet, und wenn LehrerInnen das nicht leisten (können), gelten sie gleich (pauschal alle!) als VersagerInnen:

"Mittlerweile gibt es einen grotesken Methodenüberhang, dem die Inhalte subsumiert werden. [...] Der Lehrer, der etwas auf sich hält, nimmt sich ganz zurück, wird zum reinen Lernorganisator, hat die Mappe voller dicker Eddingstifte und Scheren und eine Rolle bunter Papierbögen unterm Arm für das Mind-Mapping. Dem Kult der äußerlichkeit sind keine Grenzen gesetzt."
( Alfred Eckerle)

und überhaupt sollte einE guteR LehrerIn ja in der heutigen Fun-Gesellschaft die Fähigkeiten eines jugendlich dauer-gutgelaunten Showmasters und Alleinunterhalters haben.

"jeune, beau"

Dennoch ist das Idealbild des Lehrers

(wie auch pädagogische Theorie)

nötig, um sich ab und zu selbst daran zu messen und zu korrigieren.


Bild

Es ist auch schon so einige Jahre her

(heute würden die SchülerInnen das nicht mehr sagen?),

dass SchülerInnen mich mit dem Lehrer John Keating in dem Film "Der Club der toten Dichter" verglichen.

Ich habe da durchaus herausgehört, dass die SchülerInnen das als großes Lob meinten - und fand die Parallele doch keineswegs schmeichelnd bzw. musste sie (leise) weit von mir weisen:

"Im Eliteinternat Welton herrschen Anno 1959 rigide Sitten. Der neue Literaturlehrer John Keating (Robin Williams), selbst ein früherer Weltonzögling, bringt mit seinen unorthodoxen Lehrmethode frischen Wind in die grauen Mauern und vermittelt seinen Schülern das freie Denken [???]. Diese beleben daraufhin den "Club der toten Dichter" wieder, der einst eine Vereinigung der Freidenker des Internats war. So treffen sich die Pennäler nachts in einer alten Indianerhöhle und lesen sich Gedichte vor. Mit der neugewonnenen Freiheit gehen die Schüler unterschiedlich um. Während der schüchterne Knox (Josh Charles) seiner Angebeteten heiße Liebesbriefe schreibt und sich mit einem Footballgorilla anlegt, entdeckt der sensible Neil (Robert Sean Leonard) seine Liebe zum Theater und möchte Schauspieler werden. Seinem strengen Vater gefällt dies allerdings überhaupt nicht. Er nimmt den Sohn von der Schule, worauf dieser sich tötet. Nun wird die Schuld bei Keating gesucht, der angeblich dem Jungen die Flausen in den Kopf gesetzt hat... "
(zitiert nach Bild )

Der Lehrer Keaton ist für mich eben kein guter Lehrer, sondern vielmehr ein mieser kleiner pseudo-"progressiver" (also reaktionärer) und geradezu jugendsektenhafter Rattenfänger, und er trägt durchaus Mitschuld an Neils Selbstmord: Keating hat ihn zu einer Unbedingtheit aufgehetzt, statt ihm auch beizubringen, dass man manchmal situationsabhängig Kompromisse schließen muss, also nicht (pauschal) mit dem Kopf durch die Wand gehen darf.

Nirgends wird Keatons (letztlich pubertäre?) Art so deutlich wie in der paramilitärischen Sprache von

„'O Captain, mein Captain!' Wer weiß, von wem das ist? ... Wer weiß es? ... Keine Ahnung? ... Es ist aus einem Gedicht von Walt Whitman über Mr. Abraham Lincoln. Also, Sie sprechen mich entweder mit Mr. Keating an - oder, wenn Sie etwas mutiger sind, sagen Sie O Captain, mein Captain!"
(John Keating zu seinen Schülern in der ersten Unterrichtsstunde; vgl. "Führer, mein Führer!")

Dabei bin ich natürlich keineswegs der einzige, der das gesehen hat. Vgl. z.B.:

"[es] bleibt aus pädagogischer Sicht herauszustellen, daß die Beziehung zwischen Keating und manchen seiner Schüler von derart extremer Nähe und Bewunderung geprägt ist, daß Konflikte vorprogrammiert werden: Die emotionale Nähe zwischen Keating und den Mitgliedern des ‚Clubs der toten Dichter’ führt zu unhinterfragter Internalisierung von Keatings Lebensphilosophie [...]"
(zitiert nach Bild )

Da sind mir die traditionellen Lehrer in dem Film, die reinen (auch langweiligen) Fachunterricht machen und auf Distanz zu den Schülern bleiben, allemal lieber!

(Eine gewisse Distanz zu SchülerInnen gehört sogar unabdingbar zum Lehrerberuf dazu:

Dieser Keating hat uns in Schulen gerade noch gefehlt - und sowieso (wie die meisten Lehrer in "Schul"filmen) etwa genau so viel mit der Wirklichkeit zu tun wie ein Arztroman mit dem Alltag des Arztberufs:

Bild

(Kleinvieh, also der normale Unterricht, macht auch Mist, aber die vielen "kleinen" Ideen, die KollegInnEn da einbringen, sieht man ja nicht.)

Nun ja, wer hat den Film "Der Club der toten Dichter" denn schon gelobt?: "Cosmopolitan" und "Bild"! (vgl. das Videocover oben)


Ein beliebter Zeitvertreib von SchülerInneN auf Kurstreffen

(die ja sonst nichts miteinander verbindet)

ist das Lästern über LehrerInnen

(meist eher liebevoll ironisch, indem etwa Schwächen & Macken parodiert werden; also nicht zu verwechseln mit echten Klagen & Beschwerden, für die einE LehrerIn durchaus ein offenes Ohr haben sollte;
kommt hinzu, dass man zwar gerne entlastend mault & schimpft, sehr viele SchülerInnen aber [laut einer Untersuchung in Deutschland sogar angeblich mehr als in jedem anderen Land!] durchaus gerne in die Schule gehen - und sei's nur der Clique wegen).

Als anwesender Kurslehrer

Und jedeR LehrerIn fragt sich da wohl auch: was würden die SchülerInnen wohl über mich erzählen, wenn ich jetzt nicht da wäre?

(Bzw. was erzählen die untereinander und auf anderen Kurstreffen über mich?)

Genau das hat uns "zu meiner Zeit" mal ein Lehrer gefragt, worauf wir nur "Aber na klar doch, das können Sie haben" gesagt und dann mächtig vom Leder gezogen haben.

Jahre später
hat dieser Lehrer mir erzählt, wie abgrundtief und dauerhaft ihn unser damaliges, im Grunde harmlos-liebevolles Geläster getroffen und verunsichert habe:

Natürlich muss ein Lehrer, der andauernd bewertet,

Und doch: ich möcht's lieber gar nicht wissen, was die SchülerInnen (Negatives) über mich denken.

(Und manchmal vergreifen SchülerInnen sich eben doch gewaltig im Ton: es ist das gute Recht, dass  SchülerInnen nach dem Abitur gegebenenfalls zurück schlagen [und doch hat das so im Nachhinein was Pubertäres und Feiges an sich]; aber oftmals lässt da einer in der Abi-Zeitung eine keineswegs repräsentative Meinung über eineN LehrerIn ab und merkt nicht mal, wie das ankommen muss, nämlich als Mischung aus Beleidigung, übler Nachrede, Demütigung und Ehrabschneiderei, gegen die betroffene LehrerInnen keine Chance haben: "semper aliquid haeret".)

Das wird und muss keinE SchülerIn

verstehen: selbstverständlich haben LehrerInnen auch Angst (vgl. etwa
Bild ).

("Butter bei de Fische": was "die" SchülerInnen wohl über mich denken?:

[Nun, viele werden gar nicht über mich nachdenken, denn so wichtig ist man nun auch wieder nicht, und man erreicht eh nie alle, ja ich wette sogar, dass einen immer auch einige hassen - und sei's eben nur, weil man Lehrer ist: "mitgefangen, mitgehangen".]

Ich vermute mal [bilde mir ein] Folgendes:

  1. netter Spinner und Chaot,

  2. wandelnder Widerspruch

(wobei mir durchaus integriert scheint, was anderen als Widerspruch erscheinen mag),

  1. "LERNT man bei dem überhaupt was?" - aber sicher: DENKEN [Denkgymnastik], wenn man bereit ist, mit zu denken!

Und so bastelt sich wohl jeder seine befürchtete und erwünschte Wirkung zurecht.)


Im Zeitalter der "Evaluation" und überhaupt des resignierten Messbarkeitswahns wird immer wieder gefordert, dass man LehrerInnen (und nebenbei auch UniversitätsprofessorInnEn) bewerten (und gegebenenfalls feuern) sollte.

Schon gar nicht darf (ausschließlich) das Schülerurteil zählen: vgl. nur die Liste oben in französischer Sprache

(an der ich neben jugendlichem Schnickschnack doch noch immer "bien expliquer" am interessantesten finde: der Lehrer als großer Vormacher, aber - Folge unseres Schulsystems - nicht als Anleitender).

Und doch wissen SchülerInnen oft sehr gut, was ihnen wohltut: wenn sie nämlich mit echtem Respekt von LehrerInnen sprechen, die "streng, aber gerecht" sind.


Ein Freund fragte mich mal aus Sorge um seine Tochter, wie man eineN (ihreN) schlechteN LehrerIn "absägen" könne. Meine dreifache Antwort:

  1. Natürlich kann man eineN solcheN LehrerIn bei der Schulaufsicht (bis hin zum Kultusministerium) anschwärzen, aber damit treibt man ja nur Teufel mit Beelzebub aus (vgl. Bild ).

  2. "Gar nicht!"

..., solange ein Lehrer nicht

(kleiner Tipp an rechthaberische Rechtsanwalt-Pappis von splitterfaserdummen Kindern [der Apfel fällt nicht weit vom Stamm]: genau hier ist das ideale Einfallstor für formaljuristische Widersprüche, denn bei der schwachsinnigen Fülle der Regelungen oder einfach bei der Nutzung der letzten Freiheiten wird jede Lehrkraft doch garantiert irgendeine Regelung missachtet bzw. vergessen haben; diejenigen LehrerInnen aber, die die Regeln am sklavischsten einhalten, sind auch die schlechtesten, weil phantasielosesten).

Und das ist teilweise auch gut so, weil sonst - heute ja verschärft - jeder Einzelgänger (unter den Eltern) dem Lehrer das Leben (juristisch) zur Hölle machen könnte.

Und doch: ich bin verbeamtet - und würde dennoch umgehend die Lehrerverbeamtung abschaffen

(Der Mann hat also recht:

Berlin (dpa) - [...] Nach Meinung von Bundesinnenminister Otto Schily müssen Lehrer nicht unbedingt verbeamtet werden. Er sprach sich dafür aus, den Beamtenstatus auf hoheitliche Aufgaben zu beschränken.

Nur sparen man sich die Verbeamtung bittschön nicht aus rein finanziellen Gründen, der heutzutage einzigen, aber immer hübsch pädagogisch kaschierten Begründung).

Die keineswegs so einfach zu beantwortende Frage aber bleibt:

(Manchmal empfehle ich SchülerInnen, die mit einem "schlechten" Lehrer nicht zurecht kommen, nur: Maul halten, mitmachen, leise anbiedern, bis zum nächsten Lehrerwechsel durchhalten.)

  1. "Was heißt schon »schlecht«?"

"wenn die SchülerInnen in der 9. und 10. Klasse bei dem Kollegen XY [bei mir?] Mathematik hatten, sollten sie besser keinen Mathematik-Leistungskurs wählen".

Da würde ich doch nur antworten:

"Ach herrje, dann wählen sie eben ein anderes Leistungskursfach!"

(Dadurch kämen der Welt so einige mathematische Genies abhanden?

  • Dann sind ihr auch schon sämtliche genialen Juristen abhanden gekommen, weil Jura ja überhaupt nicht an Schulen unterrichtet wird.

  • SchülerInnen können ja in der Oberstufe noch immer fachlich gute GrundkurslehrerInnen haben.)

Es gibt nämlich KollegInnEn

(und da schließe ich mich dann nicht mehr so einfach ein),

bei denen die SchülerInnen etwas ganz anderes, aber mindestens genauso Wichtiges, nämlich "Menschlichkeit" lernen!

Bild

(Die Schule ist

- was heutzutage in einer öffentlichen Schuldiskussion, in der statt des Wortes "Liebe" nur solche Wörter wie "Leistung" und "Effizienz" vorkommen, allzu leicht vergessen wird -

eben auch "Erziehungsanstalt", und zwar keineswegs nur zu den "alten Werten" und "Sekundärtugenden, mit denen man auch ein KZ betreiben kann".)

Auch hier plädiere ich einfach für einen Lehrerwechsel alle zwei (?) Jahre:

  • bei dem einen lernt man Menschlichkeit,

  • bei dem anderen Mathematik

(was sich ja nicht gegenseitig ausschließen muss);

(manchmal wundert man sich tatsächlich, wie einige Leute ihr Studium geschafft haben; aber ganz offensichtlich kann man auch ganze Studiengänge absitzen);

(das in den übergroßen Klassen aber auch kaum möglich ist!);

  • es gibt Leute, die scheinbar niemals selbst jung waren

(und gerade deshalb der Jugend alle angeblichen oder tatsächlichen Freiheiten verübeln oder sie zumindest nie auch nur ansatzweise verstehen).

Und genau diese (vielleicht Standard-)LehrerInnen würde ich eben nicht pauschal als "schlecht" bezeichnen:

  • so ist Schule nun mal (auch), sie kann und darf nicht immer nur Halligalli und Show sein;

  • das erwarten SchülerInnen auch gar nicht (zumal sie sich das 13 Jahre lang 5 Tage in der Woche jeweils 6 Stunden anhören müssen); mehr noch: SchülerInnen verachten auf die Dauer nur die Betriebsnudeln (und alle Anbiederung an Jugendlichkeit);

  • wer könnte einer Lehrkraft verübeln, dass sie sich nach vielen Dienstjahren aufgrund von Stress, aber auch Gewöhnung aufs Standardprogramm beschränkt?

  • Und wer wäre selbst dagegen gefeit?

Die meisten LehrerInnen sind besser als ihr Ruf - und das wissen die meisten Leute auch, wenn sie sagen: "Was bin ich froh, dass ich nicht anderer Leute [angeblich durch die Bank asozialen] Blagen erziehen muss."


 

"Dann gibt es aber auch solche ältere, die für sich beschlossen haben, für immer jung zu bleiben. Das wirkt fast immer lächerlich und infantil. Neben ihnen fällt es Jugendlichen noch schwerer, sich abzugrenzen. Sie werden mit immer extremeren Aktivitäten darauf reagieren. Die Alten sollten nicht versuchen, gegen das eigene Altern anzukämpfen und vor sich selbst zu fliehen [...]"
(eine Jugendliche in Bild Zeit, 2/2003)

Ein ganz eigenes Problem sehe ich darin, dass LehrerInnen ihre SchülerInnen "verstehen" sollen. Sicher gehört es zur "guten" Lehrkraft dazu, dass sie "selbst mal jung" war

(alle Nöte und Glückseligkeiten der Pubertät selbst durchgemacht hat bzw. sie sich zumindest vorstellen kann).

Gleichzeitig gibt es aber (glücklicherweise?) eine unüberbrückbare Distanz zwischen LehrerInnen und SchülerInnen:

  1. sozusagen "qua Amt",

  2. aufgrund des (im Laufe einer Lehrer"karriere") zunehmenden Altersunterschieds: irgendwann merkt jede Lehrkraft, dass sich "die Jugend von heute" von ihr entfernt
    (und umgekehrt empfinden SchülerInnen eine grauhaarige Lehrkraft als nicht mehr - s.o. - "jeune" und "beau").

All das ist ja nicht schlecht, man kann ja der "väterliche Mentor" werden:

Mentor "väterlicher Freund und Berater, Lehrer, Erzieher": Das in dt. Texten seit dem 18. Jh. bezeugte Fremdwort ist identisch mit dem Namen des aus der Odyssee bekannten altgriechischen Helden, des vertrauten Odysseusfreundes, in dessen Gestalt die Göttin Athene den Odysseussohn Telemach auf der Suche nach seinem Vater begleitete. Der Gebrauch des Eigennamens als Gattungsname geht von dem Erziehungsroman des französischen Schriftstellers Fénelon "Les Aventures de Télémaque" (1699) aus, in welchem dem Mentor eine bedeutsame Rolle als Führer, Berater und Erzieher des Telemach zugeteilt ist. [...]
(c) Dudenverlag

Dabei kann das "Amt" des Mentors nur ein Angebot sein

(genauso, wie man Respekt und - im besten Sinne - Autorität nicht einfordern kann, sondern sie höchstens zugesprochen bekommt).

Zwar sollte eine Lehrkraft ein offenes Ohr dafür haben, was "die Jugend von heute" so umtreibt

(z.B. ansatzweise die Filme und Musik - oder genauer: das dort transportierte Weltbild - kennen, die viele Jugendliche rezipieren),

vieles wird aber an ihr vorbei gehen oder

(wie z.B. Baseballkappen, tiefer gehängte Skaterhosen und [von Jugendlichen meist mit triefender Ironie gesehene] Kettensägenfilme)

fremdartig bleiben.

Man mag sich Sorgen um "die Jugend von heute" machen

(oder genauer: darum, was ihr von Erwachsenen [!] angetan wird),

unterstelle aber immer gleichzeitig:

Vieles Schimpfen auf "die Jugend von heute" scheint mir letztlich auf purem (uneingestandenem) Neid zu beruhen

 - und einer fälschlichen Glorifizierung der Jugend, die nur krude als Verdammung rauskommt.

Wenn man sich all das immer mal wieder bewusst macht, dann darf man auch fachliche und menschliche Maßstäbe setzen (vgl. z.B. Bild ).


 

Letztlich glaube ich nicht an Kontrolle von oben (da sitzen ja überhaupt erst die wirklichen Bürohengste). Im Gegenteil: diese Kontrolle macht alles (wie derzeit) nur noch schlimmer, tötet die Phantasie, züchtet Dienst nach Vorschrift und fördert ja gerade die Langweiler.

"Sire, gewähren Sie Gedankenfreiheit!":

( Bild  zugunsten von "Jahres-" und Projektarbeiten!)

(aber nicht bloß einem abgedrehten Privathobby nachgehen und die SchülerInnen das ausbaden lassen);

Verpflichtung, nach einer gewissen Zeit Ergebnisse abzuliefern, die veröffentlicht werden

Nur solch eine "Grasrevolution" sorgt vielleicht dafür, dass auf die Dauer auch andere KollegInnEn mitziehen, weil sie merken: es geht tatsächlich besser!


Bild
(Kriterien für einen guten Lehrer;
aus der Potsamer Lehrerstudie;
zitiert nach: Profil; Das Magazin für Gymnasium und Gesellschaft; 3/2007)

Ein wichtiges Kriterium für eineN guteN LehrerIn scheint mir eine Mischung aus Begeisterung und Realismus zu sein:

(Wie sollen SchülerInnen halbwegs begeistert werden, wenn nichtmal die Lehrkraft es ist?

[Es gibt allzu viele Langeweiler unter den LehrerInnen, und zwar insbesondere die kreuzbraven Lehrplanerfüller.]

Dabei weiß ich natürlich auch: Man kann nicht andauernd begeistert sein [manchmal ist einem wahrhaft nicht danach], und es ist auch nicht jeder notwendige Stoff [z.B. in der Mathematik Termumformungen] interessant.)

Allzu leicht ist aber erscheint aber eine Lehrkraft, die "nur" von ihrem Fach begeistert ist

(und sich gar nur als Fachlehrer, nicht aber als Pädagoge versteht)

in den Augen ihrer SchülerInnen nur im besten Fall ein komischer Kauz und im schlechtesten Falle ein fanatischer Spinner

(z.B. all jene Computerfatzkes unter den Lehrern),

und deshalb muss ein gewisser Realismus hinzukommen:

Die Begeisterung des Lehrers wird aber zunehmend kaputt gemacht, wenn im Rahmen von Bildungsstandards und Kernlehrplänen sowie Stoffvorgaben etwa für das Zentralabitur inzwischen fast ALLES vorgeschrieben ist.


PS:

es rührt mich eben doch gewaltig an

(und ich höre es mit ein wenig Stolz und viel Demut),

wenn dann (ganz selten) solch eine Rückmeldung auf meinen Unterricht kommt:

"Also, ich bin eine SchülerIn

der ehemaligen Klasse [NN], die Sie letztes Jahr versucht haben, in die hohe Kunst der Mathematik einzuweihen. Leider bin ich nun wirklich kein Mathegenie und bin schon froh darüber mit einer Vier auf dem Zeugnis davon gekommen zu sein. Jedoch will ich noch einmal betonen, dass mir Ihr Unterricht trotz allem Spaß gemacht hat. Danke dafür, dass Sie stehts darauf bedacht waren, den Unterricht (was bei Mathe denke ich mal schwieriger ist als in manch anderen Fächern) so abwechslungsreich und spannend wie möglich zu machen. Einen Lehrer, der so vorgeht, hatte ich noch nie und werde ich auch sicher nie mehr haben."

(Das bleibt festzuhalten: diese Email erreichte mich im Jahr 2007. Denn vielleicht gibt es ja keinen Anlass, dass mich je wieder solch eine Email erreicht.)