das altbekannte Totalversagen der Universitäten beim Studienanfang

  Alle Universitäten in allen Fächern??? Aber immerhin sind die (alle???) Mathematiker mal wieder führend.

ein Zitat, das so modern wirkt, weil es leider folgenlos blieb:



vgl.

“Anders als ich es mir in meiner Naivität vorgestellt hatte, begann meine erste Vorlesung nicht mit einem Werbeblock für die Juristerei, sondern mit purer Abschreckung. Tagelang wurde uns erklärt, wie viele von uns durchfallen oder aufgeben würden. Dass diese Ausbildung geradewegs in die Arbeitslosigkeit, oder, wenn es gut läuft, ins Taxigewerbe führen würde.
[…]
Was sind das für Professoren, die den Nachwuchs nicht für ihr Fach begeistern wollen? Die nicht motivieren, bei diesem Studium zu bleiben? Die ihnen nicht das Notwendige dafür beibringen wollen, sondern nur darauf sinnen, in den ersten Wochen die Studentenzahl zu reduzieren?
[…]
Die Studenten werden also nicht nur abgeschreckt, sondern auch noch getäuscht – welche Verschwendung von Lebenspotenzial.“

(Quelle: )

Vgl. auch .

Gut 35 Jahre nach meinem eigenen Studienanfang habe ich durch einen Neffen und die Tochter von Freunden erstmals wieder Gelegenheit, den Studienanfang zweier Studenten mitzuerleben:

es hat sich nichts geändert (verbessert)!:
  1. : mein Neffe hat sich für das Lehramtsstudium der Physik entschieden. Schon in einer "Einführungswoche" vor dem eigentlichen Studium wurde ihm brachial klargemacht, wohin der Hase läuft, dass nämlich die Physik rundweg als mathematische Wissenschaft betrieben wird

(wobei ja die Mathematik inzwischen als Gralshüter der einzigen Wahrheit zum Ausschlusskriterium von "Wissenschaft" geworden ist: alles andere ist dann Blabla

- ein Vorwurf, der natürlich insbesondere Sozial- und Geistes"wissenschaften" gemacht wird

[wobei nicht ich die Anführungszeichen setze, sondern implizit diejenigen, die solchen Wissenschaften die Wissenschaftlichkeit absprechen];

und einige Mitstudenten meines Neffen waren schon selbst so verdorben, dass sie folgendes Wissenschafts-"Ranking" aufstellten:

und der Rest ist dann wohl - wissenschaftlich gesehen - unter aller Sau).

In der bereits genannten "Einführungswoche"

(wohlgemerkt eines Physikstudiums)

wurde dementsprechend überhaupt nur Mathematik und kein bisschen eigentliche Physik betrieben.

Und der Gipfel war, mit welcher Mathematik in der "Einführungswoche" begonnen wurde: mit sogenannten Tensoren, also einem Gebiet, das man nur als hardcore-Mathematik bezeichnen kann:

Zumindest ist es Lichtjahre von dem entfernt, was die frischgebackenen Studienanfänger, also Gerade-noch-Schüler in der Schule

(auch in Mathematik-Leistungskursen)

gelernt haben.

  1. : die Tochter von Freunden hat gerade ein Studium keineswegs stinknormaler "Kommunikationswissenschaften", sondern hypermoderner "communication science" begonnen und muss dabei auch "Mathematik für Anwender" belegen

(da werden 500 Studenten von 100 verschiedenen Anwendungsfächern in einen Hörsaal gesperrt, und da es eh keine Gemeinsamkeiten der vielen Anwendungsfächer gibt, unterrichtet man der Einfachheit halber "reine" Mathematik).

Damit auch ja keiner was versteht, fängt man mit Folgen & Reihen an, also einem Thema, das heutzutage

(mit zwei klitzekleinen, jeweils ca. zehnminütigen Ausnahmen, und zwar bei der Herleitung der Ableitung und des Integrals)

in Schulen gar nicht (mehr) vorkommt. Diese Folgen & Reihen werden in strenger mathematischer Axiomatik, also in "reiner" Mathematik beigebracht, womit sich der Vorlesungstitel "Mathematik für Anwender" umgehend als Etikettenschwindel erweist.

Schuld am reihenweisen Versagen der Studienanfänger (I-Männchen) bis hin zu massenhaft Studienabbrüchen sind dann wahlweise

Der Effekt ist aber allemal, dass sich jeder einzelne Student für unrettbar dumm hält

(so, wie ja jeder einzelne Arbeitslose "selbst schuld" ist).

Besonders effektiv ist es, wenn in einer Anfängervorlesung - wie jüngst geschehen - 90 (!) % durchfallen.

Für das gezeigte rabiate mathematische Vorgehen der Dozenten gibt's folgende Erklärungsmöglichkeiten:

  1.  : die Professoren und ihre Mitarbeiter

(im Folgenden kurz "Dozenten" genannt)

waren tatsächlich schon immer Überflieger, wie auch ich einige (wenige) während meines Mathestudiums kennengelernt habe: so Welten entfernt von den fachlichen Anfängerproblemen eines Durchschnittsstudenten, dass man sie auf gar keinen Fall in Anfängerveranstaltungen einsetzen darf

(womit wir natürlich ein Problem mit der Einheit von "Forschung & Lehre" bekommen).

  1. : in zunehmender Betriebsblindheit, vorzeitiger Vergreisung oder auch rapide voranschreitender emotionaler Phantasielosigkeit haben die Dozenten schlichtweg vergessen, welch große Anfängerprobleme auch sie selbst mal hatten - oder müssen es leugnen, um ihrem inzwischen betonierten Wissen keine Haarrisse zuzumuten.

Ich bleibe nämlich fest überzeugt, dass die (meisten) wirklich großen Geister immer auch einfach denken und also auch lehren können!

  1. : die Dozenten sind "resignierte Realisten": gegen die nach wie vor riesige Zahl der Studenten und insbesondere Studienanfänger bleibt ihnen (den Dozenten), wenn sie sich nicht totarbeiten wollen, gar nichts anderes, als möglichst frühzeitig die Studentenzahl zu halbieren, d.h. die oben gezeigte hardcore-Mathematik ist nicht versehentlich, sondern absichtlich so abschreckend schwierig, ja, vielleicht dient die Mathematik (wie so oft) überhaupt nur der Auslese.

(Ein Beispiel: früher [heute nicht mehr?] mussten Pädagogikstudenten eine Prüfung in Wahrscheinlichkeitsrechnung machen. Im besten Fall haben sie sich den Stoff mühsam "reingezogen"  [nichts wirklich verstanden] - und nach der Prüfung nie wieder gebraucht und somit schnellstmöglich vergessen.)

  1. : die Dozenten sind

(bei vollem Bewusstsein)

bösartige Zyniker: zwar nicht ein Prof, sondern einer seiner Assistenten hat sich tatsächlich nicht entblödet zu sagen, die Hälfte aller anwesenden Studenten brauche erst gar nicht zu versuchen, die Übungsaufgaben zu lösen, weil sie (diese Hälfte) in einem halben Jahr eh nicht mehr da sein werde.

Solch eine Äußerung mag flapsig daherkommen - und ist doch nur eine bodenlose Frechheit, die es wert wäre, von der Institutsleitung offiziell abgemahnt zu werden.

Man sollte immerhin bedenken, dass angehende Physikstudenten vermutlich in der Schule in Physik und Mathematik ziemlich gut waren. Wenn man die Hälfte von ihnen frühzeitig abschreckt, wird man also wohl auch die Hälfte aller potentiell fähigen Physiker abschrecken.

Dabei ist es doch eigentlich so einfach:

Es ist die verdammte Pflicht von "Forschung & Lehre", die Studienanfänger beim Schulstoff abzuholen!

Das aber setzt voraus, dass man

Was aber schon gar nicht angeht, ist gleichzeitig oftmals Usus: da wird ein Prof der "reinen" Mathematik verdonnert, eine Einführungsvorlesung für mathematische Anwender abzuhalten, und entsprechend unwillig und gnadenlos hält er diese Vorlesung dann ab.

Ich erlebe ja derzeit bei der Nachhilfe für zwei Studienanfänger, welche Probleme sie haben:

  1. wird ihnen gleich zu Anfang ein viel zu "hoher" Stoff vorgesetzt,
  2. wird ihnen "reine" Mathematik eiskalt "streng" vermittelt: eine Denkweise, die ihnen noch völlig fremd ist: "denn sie wissen nicht, was sie tun",
  3.  fehlt ihnen (natürlich!) noch jegliches Gespür für den innermathematischen "Sinn" und die "Dramaturgie" der gestellten Aufgaben

(wobei "Sinn" und "Dramaturgie" etwas ganz anderes sind als der schnöde Rechenweg bzw. der rechnerische Nachvollzug),

  1. vermittelt ihnen kein Mensch, wie man an die zu bearbeitenden Aufgaben drangeht,
  2.  ist es ihnen von der Schule her völlig fremd, mal stundenlang (alleine!) an einer einzigen Aufgabe "rumzuknobeln", d.h. ihnen fehlt noch das "Sitzfleisch".

PS:

Man kann die Studienanfänger natürlich auch einfach ins eiskalte Wasser werfen - und der Hälfte beim Ertrinken zusehen

        (und sie dabei auch noch verhöhnen).