wer nicht ehrt ...

Wo er Recht hat(te), hat(te) er Recht:

Holen wir aber gleich zu Anfang den ganz großen

raus:

"Wer als erster »Auschwitz« sagt, hat gewonnen."
(Wiglaf Droste)

Da suche ich im Internet für meinen unten folgenden Essay Informationen über Hugo Kükelhaus - und finde das obige Zitat auf der Internetseite mit dem Titel

.

Nun mag es ja durchaus sein, dass auch die ollen Germanen interessante medizinische Erkenntnisse hatten, aber beim Titel "Germanische Neue Medizin®" schrillten bei mir doch sämtliche Alarmglocken - und schon bald wurde ich auf der Unterseite mit dem Titel "Antisemitische Medizin" fündig: obwohl der Autor der Seite dort jeden Antisemitismus abstreitet, gibt er mit der Nennung eines gewissen Dr. Hamer (des "Vaters" der "Germanischen Medizin") den entscheidenden Tipp:

"Ryke Geerd Hamer (* 17. Mai 1935 in Mettmann) ist ein ehemaliger deutscher Arzt, der seit 1981 die von ihm erfundene medizinisch unwirksame und zudem mit erheblichen Risiken und Gefahren verbundene Behandlungsmethode Germanische Neue Medizin (GNM, auch als »Germanische Heilkunde« bezeichnet, vormals »Neue Medizin«) propagiert.

Hamer wurde am 8. April 1986 die deutsche Approbation entzogen. Er war wegen fortgesetzten illegalen Praktizierens und Betrugs mehrfach in Deutschland und Frankreich in Haft. Es stehen mehrere Haftbefehle gegen ihn aus. Bis zum Jahr 1995 wurden in Deutschland und Österreich über 80 Todesfälle von durch Hamer behandelten Patienten von den Behörden untersucht. [...]

Hamer vertritt in Verbindung mit seiner Lehre auch antisemitische Positionen, die er im Rahmen von Verschwörungstheorien äußert [was im weiteren Wikipedia-Artikel vielfach belegt wird]."
(Quelle: )

Und als ich nach Informationen über Hugo Kükelhaus selbst suchte, fand ich prompt:

"Kükelhaus hatte eine ambivalente, zeitweise positive Einstellung zum Nationalsozialismus; in den meisten Biographien wird diese Phase seines Lebens jedoch stillschweigend übergangen. Er leitete im Auftrag der Reichskammer der bildenden Künste die Ausstellung »Reisen und Wandern« und gab ein regimekonformes Werk namens Deutsche Warenkunde heraus. Im Auftrag der Amtsleitung der NS-Kulturgemeinde leitete er im Jahr 1936 die Ausstellung »Gesetz und Gestalt« (1936).

Seine Kritik an der Herstellung von Kitsch und industriell gefertigten Massenmöbeln war es, die Kükelhaus in die Nähe der sich als volkstümlich ausgebenden NS-Ideologie führte und ihn zur Kooperation mit dem NS-Regime bewog. Später soll [?] er seine Einstellung zum Nationalsozialismus geändert und sich »in enger Verbindung mit Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg« als aktives Mitglied von Widerstandsgruppen hervorgetan haben."
(Quelle: )

Interessant daran finde ich vor allem den Satz

"Seine Kritik an der Herstellung von Kitsch und industriell gefertigten Massenmöbeln war es, die Kükelhaus in die Nähe der sich als volkstümlich ausgebenden NS-Ideologie führte und ihn zur Kooperation mit dem NS-Regime bewog."

Da wird also folgende Kausalität behauptet:

Kritik an Kitsch und industriell gefertigten Massenmöbeln Nähe zu den sich als volkstümlich ausgebenden NS-Ideologie

(obwohl doch gerade die Nazi-"Kunst" oftmals im besten Fall nur kitschig war: ).

Diese Kausalität mag einem arg simpel erscheinen, aber vielleicht ist doch etwas dran:

jegliche Moderne-Kritik läuft Gefahr, bloß nostalgisch, wenn nicht gar reaktionär zu sein

... was ja nicht heißt, dass solche Moderne-Kritik automatisch falsch ist.

(Nebenbei: beispielsweise bei der derzeitig [Anfang 2016] grassierenden Fremdenfeindlichkeit und der rechtsradikalen Unterwanderung von halb Ostdeutschland ist der Nazi-Knüppel durchaus angebracht:


[wobei ich allerdings nicht verstehe, wieso sich Kebekus für Nazis schämt]

Oder um genauer zu sein:

)


  "Wissen Sie, wo Sie im Sommer 2014 waren, als Deutschland die Fußball-WM gewonnen hat? Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Schultag oder Ihren ersten Kuss? Emotionale Momente wie diese stehen uns meist bildhaft vor Augen. Ein Geruch, eine Stimme, Musik oder eine Umarmung aktivieren unsere Erinnerung und machen sie lebendig. Lässt sich das nutzen, wenn wir unser Gedächtnis verbessern wollen? Können wir unsere Sinne trainieren, um uns Dinge einfacher zu merken? Sind Gefühle beim Lernen wichtig oder eher hinderlich? Christiane Stenger erklärt anschaulich, welchen Einfluss unsere Sinne und Emotionen auf unser Gedächtnis haben. So erfahren wir zum Beispiel, ob Musikhören beim Lernen hilft oder stört, warum die Aufnahmetaste des Smartphones ein Segen sein kann und weshalb Gesten beim Merken von Vokabeln und PIN-Nummern hilfreich sind."
(Klappentext)
 

Jetzt kann ich's ja sagen: mit dem Titel

"wer nicht ehrt ..."

soll natürlich keine Reklame für Toffifee gemacht werden

(solange ich nicht dafür bezahlt werde, mache ich für nix Reklame, und selbst wenn ich dafür bezahlt würde, würde ich's mir dreimal überlegen;

und nebenbei: so tief kann ich gar nicht sinken, in einem Privatsender aufzutreten, also z.B. bei "Wer wird Millionär?", denn da würde ich mich - völlig unabhängig davon, ob ich gewinnen würde - ja zu Tode schämen!).

Sondern mich interessiert an einzig und allein die "Innenverpackung", in der die schlummern, also

.

Ist es nicht unfassbar, wie perfekt schön

(perfekt & schön; schön, weil perfekt)

solch eine bei 17 cm Länge und 10,5 cm Breite dennoch nur gar nicht spürbare zwei Gramm leichte Folie ist

(mal ganz abgesehen von der Goldfarbe innen und der Silberfarbe außen)?!

Die Toffifee-Folie ist zudem durch ihre "Ausbuchtungen" erstaunlich stabil.

Wenn man lustig ist, kann man natürlich darüber streiten, ob

(genau genommen sind die Toffifee-Stückchen nämlich sogar drei Mal verpackt:

    1. in die Papp-Verpackung ,
    2. in eine Klarsichtfolie,
    3. in die Folie .)

Man kann aber auch

(was mir hier viel wichtiger ist)

(ein hochinteressanter Beruf, den man sogar studieren kann!),

die  entwickelt haben.

(Diese Dankbarkeit und dieser Respekt wären für mich geradezu Unterrichtsziele.)

Weitere Beispiele:


Alufolie
(noch nicht zerknittert)

nicht schlichtweg atemberaubend?!

(Im Grunde ist es schon ein Verbrechen gegen mein Anliegen hier, nur das Bild einer Alufolie zu zeigen.

Und einen ganz eigenen "geometrischen" Reiz hat leicht zerknüllte Alufolie:

 


ein sogenannter Oloid

Das ist

 (vor aller - und sei's nur ansatzweisen - Mathematik des Oloids; vgl.   )

zu allererst einmal ein ausgesprochen schöner und angenehmer Hand- oder von mir aus auch Rückenschmeichler:

Der spiegelnde Oloid ist mindestens so schön wie das


Cloud Gate in Chicago,

nur dass letzteres ein bisschen größer ist.

Was aber macht das Cloud Gate derart beliebt, dass es geradezu zum Wahrzeichen von Chicago geworden ist?

Vermutlich doch

    1. seine enorme Größe,
    2. dass man - wie es sich für ein "gate" gehört - unten durch gehen kann,
    3. die völlige Symmetrie,
    4. die spiegelnde Oberfläche ohne jede Naht

(obwohl das Cloud Gate doch aus vielen Stahlplatten zusammengesetzt ist).

Die Spiegeloptik sorgt zu allererst dafür, dass sich Leute andauernd in der Oberfläche fotografieren

(wobei lustige Verzerrungen zustande kommen: ).

    1. und zuguterletzt die handschmeichlerhaft abgerundete Form

(... wobei das Cloud Gate allerdings so groß ist, dass man immer nur einen klitzekleinen Teil berühren, aber immerhin doch große Teile des "Handschmeichlers" sehen kann).

Das Cloud Gate hat den typischen Nachteil aller heutigen Produkte, allzu perfekt zu sein: eine Perfektion, die einem immer nur sagt: "sowas schaffst du nie, also fange erst gar nicht an".

Typische Handschmeichler "funktionieren" allerdings anders: sie spiegeln eben gerade nicht, sondern verbinden

und erst diese widersprüchliche Kombination erzeugt den Überraschungseffekt

"merkwürdig, dass »an sich« grobes Holz / grober Stein so glatt sein kann":

 

Die Kombination aus Glattheit einerseits und groben Strukturen andererseits zeigt bzw. erzeugt  zudem oftmals überhaupt erst die Schönheit des Materials. Vgl. etwa

 

Natürlich habe ich immer auch die Mathematik im Hinterkopf: perfekt industriell hergestellte Gegenstände wie

oder noch perfekter

haben im Hinblick auf die Mathematik gleichzeitig einen Vor- und Nachteil:

(Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass Platon durch , also eben doch annähernd exakte reale Körper auf das Konzept idealer Körper gekommen ist.)

Das Perfekte ist schon allein deshalb hinderlich, weil seine Hochglanzfassade die Frage nach dem Innenleben verstellt

(man spiegelt sich nur noch selbst in der Fassade, statt durch sie hindurch zu sehen; die Spiegelfassade dieses Bürohauses besagt ja auch nichts über die Arbeitsplätze hinter der Fassade - oder soll sie sogar verbergen?).

 Deshalb ist manchmal dringend der "shabby chique" angesagt:

(Einen ganz eigenen Reiz hat es - nebenbei gesagt -,
diesen "shabby chique" selbst mit einiger Mühe wieder auf Hochglanz zu bringen.)

Was nun aber macht einen Handschmeichler eigentlich aus?:

  1. normalerweise, dass er - mathematisch gesagt - in jeder Richtung "stetig" und "differenzierbar" ist:

(durchaus möglich sind aber "abgerundete" Löcher folgender Art:    ),

(in diesem Sinne wäre ein Oloid kein Handschmeichler).

    1. in der Regel ein strukturiertes, wenn auch glattgeschliffenes Material

(obwohl es durchaus auch metallisch spiegelnde Handschmeichler gibt: ).

Ein typischer Handschmeichler sieht also z.B. so aus:


Summa summarum: ein Handschmeichler ist "definiert" durch eine gewisse

... zwei Aspekte bzw. Zugangsweisen, die im Schulunterricht allgemein und noch mehr im Mathematikunterricht heillos vernachlässigt werden:

  unFASSbar, aber große Teile der Welt sind
anSCHAUlich und beGREIFbar
(wobei natürlich die Abstraktion, also die Wissenschaft das Ziel bleibt,
zu dem aber erstmal hingeführt werden muss)

Schulunterricht ist meistens rein kognitiv, hat also kaum jemals etwas mit den "fünf Sinnen" am Hut:

  1. Sehen (Optik), die visuelle Wahrnehmung mit den Augen („Gesicht"),
  2. Tasten (Haptik), die taktile Wahrnehmung mit der Haut (Gefühl),
  3. Hören, die auditive Wahrnehmung mit den Ohren (Gehör),
  4. Riechen, die olfaktorische Wahrnehmung mit der Nase (Geruch),
  5. Schmecken, die gustatorische Wahrnehmung mit der Zunge (Geschmack).

Damit bin ich aber wieder bei Hugo Kükelhaus:

"Das Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne wurde von Hugo Kükelhaus (1900–1984) konzipiert. Es  handelt sich um eine Erlebnisausstellung, bei der alle Sinne angeregt werden. Die unterschiedlichen Ausstellungsobjekte sollen den Besucher inspirieren, selbst damit zu experimentieren, sie zu erforschen, wie in einem Park der Sinne oder ähnlich einem Science Center.
[...]

Entsprechend dem Konzept von Kükelhaus entstand eine Vielzahl an Sinnesobjekten, Erfahrungsfeldern und Anlagen, die unterschiedliche aber auch kombinierte Sinnesbereiche ansprechen sollen, beispielsweise:

»Der Besucher erfährt, wie das Auge sieht, das Ohr hört, die Nase riecht, die Haut fühlt, die Finger tasten, der Fuß (ver-)steht, die Hand (be-)greift, das Gehirn denkt, die Lunge atmet, das Blut pulst, der Körper schwingt. Die Wahrnehmung der Gesetze der eigenen Natur befähigt den Menschen, in den Erscheinungen der äußeren Natur die gleiche Gesetzlichkeit wahrzunehmen als auch zu wahren.« (Hugo Kükelhaus)"
(Quelle: )

Zu allererst zu Kükelhaus' Satz

"Die Wahrnehmung der Gesetze der eigenen Natur befähigt den Menschen, in den Erscheinungen der äußeren Natur die gleiche Gesetzlichkeit wahrzunehmen als auch zu wahren.

Das ist nicht erst eine Erfindung der Romantik, hat aber durch sie doch erheblich Auftrieb erfahren:

"Die pathetische Wendung [»Lass Dich von der Natur anwehen«] entstammt Ludwig Tiecks Künstlerroman »Franz Sternbalds Wanderungen« (1798) und spiegelt Grundempfindung und künstlerische Ambition der Romantik wider. Der Gang in die Natur sollte nicht nur der Welt-, sondern vor allem der Selbsterkundung dienen. In einer Zeit abbröckelnder sozialer Bindung und geistiger Orientierung, technischer Umwälzungen [da haben wir also schon - s.o. - die ganze Modernekritik] und politischer Wirren war das Individuum auf sich selbst zurückgeworfen. In einer empfindsamen Anschauung der Landschaft sollten äußere und innere Natur zueinander finden und zusammenklingen."
(Quelle: )

Das setzt aber voraus, dass die Natur langsam

(u.a. - und da zeigt sich die Ambivalenz - durch technischen Fortschritt)

ihre Schrecken verloren hat.

So wichtige Anregungen das "Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne" von Kükelhaus also gibt, so ist es mir doch zu einseitig, weil

Mir ist das - anders gesagt - alles viel zu brav und weichgespült

(wie die heutige Esoterik-, und das heißt eben vor allem: Permanent-Wohlfühl-Szene; wenn ich z.B. deren Musikgewaber höre, bin ich immer versucht, ab und zu  ohrenbetäubend laute Punk-Musik einzuspielen).

In mein "Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne" gehören also unbedingt auch technische Produkte - soweit sie ihren ganz eigenen ästhetischen und haptischen Reiz haben, also z.B.

Auf keinen Fall möchte ich nämlich die Trennung natürlich = gut / künstlich = schlecht mitmachen.

Im Gegensatz zu Kükelhaus und vielen Esoterikern

(die beispielsweise Edelsteintherapien betreiben)

unterschiebe ich den Materialien auch keinerlei Sinn:

Das heißt nicht, dass ich mit meiner Vorliebe für Materialien und mechanische Geräte

(vgl. )

jenem simplen Materialismus und mechanistischen Denken anhänge, der bzw. das eigentlich auch schon wieder seit hundert Jahren überwunden sein sollte, aber in unserer phantasiearmen Zeit gerade wieder fröhliche Urständ feiert.

Bei einigen Materialien macht man sich nunmal die Hände schmutzig:

(Speziell sollte man nicht nur ansehen , riechen und essen, sondern auch mal anfassen

[er ist ein wunderbarer Kleber].)

In mein Material-Kabinett (s.u.) würde genauso wie z.B. eigentlich auch das allerzarteste "Material" gehören, das allerdings oft leicht vergänglich oder gar unberührbar ist - nämlich das Leben:

 

war mir also nur Anlass, auf das Thema "Material(ität)" zu kommen

(Materialität = Stofflichkeit, Körperlichkeit, das Bestehen aus Materie).

Dieses Thema "Material(ität)" ist noch "fundamentaler" als , denn mechanische Apparte bestehen ja allesamt aus Materialien.

(Nebenbei: wenn es im Folgenden um "Materialität" geht, so ist eine - s.o. - spiegelnde Oberfläche [wie Glas] im Grunde überhaupt kein Material - zumindest dann nicht, wenn es um eine sicht- und/oder spürbare Materialstruktur geht.)

Wenn man Schüler mal ausnahmsweise in voller Aktion erleben möchte, bringe man doch einfach mal Handschmeichler oder andere ansprechende Materialien mit, also z.B. auch

Und schon sind alle Hände beschäftigt - und herrscht allseits gute Laune! Und es ist ja nicht nur so, dass die Schüler die Materialien berühren, sondern sie tun auch etwas mit ihnen

(wie in vielen Naturwissenschaftsmuseen).

Beispielsweise wird dann eine


Rohrreinigungsspirale

am Griff hin- und hergeschleudert

(der Bewegungsdrang der Schüler ist mir herzlich willkommen!),

so dass eine schwingende Sinuskurve entsteht. Und schon sind wir mitten in Mathematik und Physik:

(Rohrreinigungsspiralen sind auch bestens geeignet, um - von ihren speziellen Biegungseigenschaften aus - auf die "Stetigkeit" und "Differenzierbarkeit" [s.o.] von Funktionen zu kommen.

Und noch doller: man kann mit der Rohrreinigungsspirale sogar dreidimensionale Sinusfunktionen erzeugen.)

Es gibt Materialien, die nah an der Kunst sind

(oder die Kunst nah an der Natur):

Und es gibt welche, die nah an der Mathematik sind

(oder die Mathematik nah an der Natur):

Nun mag man einwenden, dass hier nur banale Alltäglichkeiten aufgemotzt werden. Da kann ich nur antworten:

"Das tiefste und erhabenste Gefühl, dessen wir fähig sind,
ist das Erlebnis des Mystischen.
Aus ihm allein keimt wahre Wissenschaft.
Wem dieses Gefühl fremd ist,
wer sich nicht mehr wundern und in Ehrfurcht verlieren kann,
der ist seelisch bereits tot."
(Albert Einstein)

Wie staunenswert schon allein die Materialwelt ist, wird etwa im Film klar:

"In der afrikanischen Kalahari-Wüste sorgt eines Tages eine aus einem Flugzeug geworfene gläserne Coca-Cola-Flasche für ziemliche Aufregung unter den Eingeborenen. Die Flasche landet direkt vor den Füßen des Stammesoberhauptes Xi, der sie für ein Zeichen der Götter hält."
(Quelle: )

Wie bemerkenswert so einiges Material ist, kann man vielleicht überhaupt erst verstehen, wenn man sich seine Herstellung anschaut

(sie selbst versucht?).

Wie z.B. wird ein mit seinem elegant gebogenen Holz und seinen Stahlbeinen hergestellt, d.h. wie

Um ausnahmsweise in "Kulturkritik" und Jugend-Schelte auszubrechen

(die ich sofort wieder relativieren werde):

Wenn Kinder und Jugendliche

(wieso sollten sie auch Schnürsenkel binden können, wenn fast alle Schuhe mit Klettbändern verschlossen werden?),

("der gestirnte Himmel über mir, das moralische Gesetz in mir" [Immanuel Kant]),

haben sie dann überhaupt noch ein Gespür für Materialien - und sollte man es ihnen deshalb nicht unbedingt vermitteln?

(Allemal bemerkenswert finde ich, dass in Zeiten der Virtualisierung das Rostige und Dreckige

[und überhaupt klassische Mechanik]

eine Renaissance erlebt. Man vergleiche nur den Millenium Falcon in "Star Wars", der ein einziger - wenn auch überlichtschneller - Schrotthaufen ist:

Fragt sich nur, ob das ein letztes nostalgisches Aufzucken ist - oder einem natürlichen Bedürfnis nach "Material" Ausdruck gibt.

Andere Beispiele für nostalgische Materialschlachten sind

[das sagt's schon der Untertitel: "Früher war alles besser" und "noch gibt es die guten Dinge, aber wie lange noch?" bzw. "... aber nicht mehr lange"; wobei Manufactum eher das eiskalte Designer-Hochglanz-Material liefert],
[in "Landlust" triumphiert der Früher-war-alles-noch-aus-Holz-Hippie-Shabby-Chique].)

Wie solch eine Vermittlung in den Unterricht eingehen kann

(bislang ist Schule ja blind [nicht nur] für die materielle Wirklichkeit),

ist mir allerdings bislang weitgehend ein Rätsel. Ich meine nur, dass man Platz freischaufeln sollte für das Zusammentragen einer Material-Ausstellung.

Hier nun eine kleine Auswahl an Materialien:


"Unverständlich, warum heutzutage nicht jeder Besitzer eines wunderbaren Exemplares Holz sein will"




Schleifpaper



Gips

Stahlwolle

Teer



Rindenmulch


Filz



Seidenfaserpapier

Schiefer


Pergament


Papyrus

Lametta

Steinkohle

Mehl



Moos

Isländisch Moos
 

Flechten



Kork

Kreismattierter Edelstahl

Beton




Nougat



Korallenfächer





Glasscherben


Ferrari-Kotflügel


Kuscheldecke



Samt

Seide


"Mutter"-Boden

Kupfer mit Grünspan

Gasbeton
   

Letztens habe ich in einem Museums-Shop etwas höchst Faszinierendes gefunden:

Das firmiert als "Briefbeschwerer", aber wohl kaum jemand wird es als solchen benutzen. Vielmehr ist es ein typischer Handschmeichler.

So besonders faszinierend ist dieser Gegenstand, weil er dreifach widersprüchlich ist:

(da sie komplett in Kunstharz eingeschlossen ist)

(aber man konnte sie ja sowieso niemals anfassen, weil sie bei der geringsten Berührung zerstört worden wäre; man hätte sie eben nur [zer-]pusten können!),

(Nebenbei: ist es nicht auch äußerst faszinierend, dass aus einem anfänglichen Löwenzahn durch Metamorphose eine ganz neue, nämlich Pusteblume wird?!)

Ebenfalls äußerst faszinierend finde ich richtige, d.h. satte Farben in Reinform, nämlich Farbpigmente, wie Maler sie zum Anmischen von Ölfarben benutzen:

So merkwürdig an diesen Farbpigmenten ist, dass sie

Die besondere Faszination solcher Farbpigmente wird auch durch "color runs" deutlich, bei denen die Läufer mit solchen Pudern beworfen werden - und dabei einen Heidenspaß haben:


Es gibt eine ganze Kunstrichtung, die sich neben der Farbe auch mit der "Materialität" beschäftigt, nämlich die sogenannte "informelle Kunst":

"[...] diese Kunst mit ihren schroffen, erdigen und rauen Oberflächen, bei der das Material zum Ausdrucksträger wurde [...]"
(Quelle: )

Typisch informelle Bilder wie etwa "Cos de materia i taques taronges" von Antoni Tàpies lassen sich dabei bezeichnenderweise nur ansatzweise durch (2D-)Fotos wiedergeben, da der Materialauftrag fast grundsätzlich "3D" ist.


PS: und damit auch kein schnödes "Material".