2021



Wer, zum Teufel, hat den bösartigen, weil abwertend gemeinten,
einen ganzen Jahrgang denunzierenden und beleidigenden
Begriff „Corona-Abitur“ in die Welt gesetzt,
der seitdem von so vielen nachgeplappert wird?
Da der Begriff aber schon in der Welt ist,
wird es Zeit
(und ist es vermutlich doch aussichtslos),
ihn gegen den Strich zu bürsten:
wer ein „Corona-Abitur“ gemacht hat,
hat eine ungewöhnliche Zusatzleistung erbracht:
Nachträge
Hauptteil

Nachträge

Der Hauptteil (s.u.) ist zur Jahreswende 2020/21 entstanden, die hier folgenden Nachträge sind danach hinzugekommen

         (je neuer, desto weiter oben):

Erst nachdem in NRW alle Abiturklausuren geschrieben sind
- und mit Fragezeichen versehen:


( , 25.5.2021)

*



*



Was wir jetzt tun müssen? Abiturprüfungen abhalten,
damit „unsere Kinder“ auf andere Gedanken kommen :-)

    *

*





( , 24.4.2021)



(Über die Englisch-Abi-Klausuren kann ich mir kein Urteil erlauben,
aber mit dem Rest des Textes haben die Schüler rundum recht.

Nebenbei: eine feine Methode, sich den Inhalt der Petition vom Leibe zu halten, ist die Feststellung
"Die blöden Abiturienten heutzutage können nichtmal mehr in ihrer deutschen Muttersprache einen Text ohne Ausdrucksfehler schreiben."
[wobei ich "nichtmal" bewusst regelwidrig in einem Wort schreibe].)




(Sie will mit einem dualen Studium Wirtschaftsprüferin werden,
er will was Richtiges [Geschichte] studieren.)



:

Die Abiturklausuren in NRW haben begonnen.

Noch Tag bis zur ersten Abiturklausur in NRW.




( , 23.4.2021)


( , 21.4.2021)


Noch Tage bis zur ersten Abiturklausur in NRW.



Noch Tage bis zur ersten Abiturklausur in NRW.



Vorbild Murcia in Spanien:





Abiturklausur 2021 am Aasee in Münster
(und bei schlechtem Wetter in der Halle Münsterland
,
wo man allerdings noch ein paar aufstellen könnte)
















Darin:
„Was ich in dieser Zeit gelernt habe? Wie man mit Zoom umgeht.“

Aber wegen subjektiver Empfindlichkeiten
werden wir doch nicht die Abiturprüfungen ausfallen lassen!
(Oder genauer:
natürlich nicht die Abiturprüfungen, aber gerne die unnötigen Abiturfeiern.
Gegenvorschlag:
wer seine Leistung nicht feiern darf, braucht auch keine zu erbringen.)



 

(Wir Deutschen machen wegen Corona notfalls den totalen Shutdown
[sämtliche Kultur & Geschäfte & Kirchen & Verwaltung & Industrie & Restaurants &&& dicht],
lassen aber garantiert nicht das hochheilige Abitur ausfallen
[sondern nur, wenn wir mal wieder blutjunge Leute für einen Großen Vaterländischen Krieg brauchen; s.u.])

Oder:





 



 

(Der „Philologenverband“ ist die erzkonservative Lobby der Gymnasiallehrer
und damit automatisch für das hochheilige Abitur
inkl. Abiturprüfungen.)





(Die „GEW“ war früher mal - igitt! - links.)



Man kann den monatelangen Online-Unterricht geradezu in Kaisergeburtstagslyrik darstellen ...


( , 3.2.2021)

... oder so:

  Schüler:in 1
»Ich werde nicht müde. Ich kann nicht schlafen. Ich habe keine Energie. Ich will neben meinen Mitschüler*innen sitzen und mit den Lehrer*innen face to face kommunizieren. Bitte.«

Schüler:in 2
»...ich bin keine maschine. Ich hätte schon gerne mehr struktur (zum Beispiel eine liste mit aufgaben am anfang der woche, welche sich auch nicht verändert!!!!!!!!!!) ich bin total überfordert und überarbeitet, und trotz allem schlecht auf das abi vorbereitet. das alles zerstört grade meine zukunft :((«

Schüler:in 3
»Wir leben in einem Land, in dem der Gleichheitsgrundsatz gilt, doch dieser wird im Homeschooling nicht geschützt, da die Wohnsituation und das eigene Technische Equipment plötzlich ausschlaggebender für die Note ist als Engagement und Fleiß.«

Schüler:in 4
»Ich habe mich seit Schulbeginn vor 11 Jahren auf diese Zeit gefreut und war motiviert. Es ist fast nichts mehr von dieser Freude da. Das aktuelle Schulsystem macht den Menschen KAPUTT, macht MICH kaputt und uns ALLE. Es lässt mich verzweifeln, dass diese Texte der Schüler letztendlich nichts an unsern Noten, etc ändern werden, weil wir als Menschen nicht gesehen werden.«

Schüler:in 5
»Ich kann es verstehen, dass einige Personen das alles vielleicht als übertrieben darstellen, aber es geht echt nicht mehr. ich bin so unglaublich fertig und überarbeitet, dass ich öfters in meinem Zimmer sitze und einfach zusammenbreche.... Man muss natürlich die Sicherheit aller in erster Linie beachten, aber bitte gebt uns unser Leben zurück!!!... Langsam sollte echt abgewogen werden ob das Virus an sich wirklich schlimmer ist als die psychischen auswirkungen. ich erlebe das immer mehr: SO VIELE GLÜCKLICHE SCHÜLER (AUCH MENSCHEN IM ALLGEMEINEN) VERWANDELN SICH ZU DEPRESSIVEN KAPUTTEN GESTALTEN. DAS MUSS AUFHÖREN. BITTE«

Schüler:in 6
»Mein größtes Problem sind einfach die Videokonferenzen, bei denen ich mich kaum traue etwas zu sagen. Und die Lehrer machen einen dann so viel Druck, in denen sie einem schlechte Mündliche Noten für diese Konferenzen geben. Meine mündlichen Noten waren im Präsenz Unterricht eindeutig besser.«

Schüler:in 7
»Sind wir eine ganze Generation, die unvorbereitet und ohne Schutz auf eine Schlucht zu laufen. Wir brauchen mehr Hilfe, viele Lehrer geben ihr bestes. Niemand kann etwas für die Situation aber wir bitten um Rücksicht, Verständnis und eine bessere, offenere Kommunikation.«

Schüler:in 8
»Das ist für viele Jugendliche wahrscheinlich eine der schwersten Zeiten in ihrem Leben und trotzdem bitte ich euch bleibt Stark! Ich weiß das alles gerade auf einen einprasselt. Ich fühle mich manchmal genauso verloren. (Das fühlt sich glaube jeder) Aber wenn wir Zusammenbrechen, wer steht dann noch auf und sagt der Welt , was hier alles schief läuft.... Jeder darf mal weinen! Jeder darf mal verzweifelt auf dem Bett liegen. Aber steht wieder auf und kämpft.«

Schüler:in 9
»Viele (inklusive mir selbst) macht das Einschalten der Kamera viel unsicherer, ich sitze zum Teil 90 Minuten vor dem Computer und versuche mich nicht groß zu bewegen, nicht auszufallen, bloß keine unbedachten Gesichtsausdrücke zu machen. Vor allem in großen Gruppen finde ich das schwierig, die Kamera kann doch einfach freiwillig bleiben...«

  [vgl.: "Der »ungeschminkte frontale Blick auf die Gesichter im Großformat« erfülle ihn mit Scham, sagt Oswald. »Auf Menschen, die sich beim Denken die Lippen streicheln, den Zeigefinger hinter das Ohr legen, das Haar zurückstreichen, sich kratzen, kauen, sich auf die Lippen beißen, Menschen, deren Gesichtshaut rot anläuft, die sich bei fortschreitender Prüfungsdauer zunehmend nervöser bewegen.« Es sei »eine Zumutung, und zwar für beide Seiten«, der Professor nennt das »Prüfungsporno«.“
(Quelle: )]

Schüler:in 10
»Durch den Stress hat sich mein Suchtverhalten extrem verändert, ich rauche und trinke viel mehr als davor.«

Schüler:in 11
»wenn man dann einmal endlich gegen 19 Uhr ans Handy geht, kommen die Eltern nach Hause und fangen Stress an von wegen man macht nichts für die Schule und Hänge nur am Handy. Solche Vorwürfe locken echt Tränen bei mir hervor aus Frustration. Das Leben ist in diesem anstrengenden Konzept einfach nicht mehr gegeben. Überall Leistungsdruck. Von den Lehrern, vom sich selbst und den Eltern.«

Schüler:in 12
»Mehr Verständnis bitte. Wir können nicht mehr. Bitte gebt uns mehr Platz. Ich weiß, dass es für die Lehrer und alle anderen »Parteien« auch total schwierig und anstrengend ist, jedoch verliert man von Tag zu Tag die Motivation am Unterricht.«

Schüler:in 13
»Ich kann mich an vieles von vor ein paar Wochen nicht mal mehr erinnern. Ich weiß gar nicht, was ich tun soll, kann nicht schlafen und nicht klar denken. Alles von vor ein paar Wochen nachzuholen ist auch teilweise echt unrealistisch, weil das alles so viel ist und wir ständig neue Aufgaben aufbekommen, eine Videokonferenz nach der andern haben und wir keine Maschinen sind die keine Emotionen haben... Mir fällt es gerade echt schwer in Worte zu fassen, wie verzweifelt ich bin. Ich kann so schon fast nicht mehr und jetzt auch noch das.«

Schüler:in 14
»Ich muss immer mein Handy und den Laptop an haben. Immer erreichbar sein. Bei jeder Nachricht von der Nextcloud oder sogar von unserer Klassengruppe, habe ich Schiss irgendwas verpasst zu haben. Denn meistens habe ich was verpasst. Und da muss ich natürlich auch zugeben faul zu sein, wenn ich dann alles auf stumm schalte, um nicht wissen zu müssen, was ich jetzt stattdessen alles machen sollte.«

Schüler:in 15
»Es gibt Tage, an denen ich einfach nur arbeite. Ich setze mich im Schlafanzug vor meinen Laptop, stehe nur auf um was zu essen.«

Schüler:in 16
»Lasse meine Emotionen gar nicht erst hochkommen, lenke mich ab mit Schule und Social Media. Und dann irgendwann kommt alles hoch. Wenn ich abends so dasitze und darüber nachdenke was ich in den letzten Wochen erlebt habe. Wenn mir auffällt dass mein Leben verdammt langweilig ist. Und das wäre doch jetzt eigentlich die Zeit unseres Lebens gewesen. Die Zeit, in der wir eine unbeschwerte Jugend haben. Uns am Montagmorgen in der Schule über die Feier von Freitagabend austauschen. Wir uns auf das nächste Wochenende freuen, an dem wir wieder neue Eindrücke sammeln. Neue Leute kennenlernen.«

Schüler:in 17
»Es ist so still überall, Freundschaften verändern sich auch irgendwie, keine Ahnung. Es ist so leise, also in einem. In Videokonferenzen sagt man hallo und tschüss. Und wenn man Kamera an machen muss..., sitzt man da und lächelt die ganze Zeit. Ja, irgendwie einsam und alle hoffen, dass es aufhören soll. Das doofe Virus ey«

Schüler:in 18
»...KEIN Lehrer war gnädig mit irgendeiner Note, oder hat aufgerundet. (…) KEIN einziger Arbeitsgeber oder eine Uni wird später feststellen 'Oh Abitur Jahrgang 21/22' da sind wir mal großzügiger. Ich habe einfach Angst, dass ich meine Zukunft in die Tonne schmeißen kann.«

Schüler:in 19
»...Meine Eltern meckern mich 24/7 wegen jeder Scheiße an, dauernd üben sie Druck auf mich aus: Hier du musst lernen, wiederhole für den Nächsten Tag, bereite dich auf die Nächsten Stunden vor, du bist so faul, hängst immer nur am Handy, (…) Tagtäglich unterdrücke ich das weinen wenn andere da sind und trinke Koffein Getränke um halbwegs zu überleben (…) Tags komme ich nicht aus dem Haus. Nachts kann ich erst spät einschlafen.«

Schüler:in 20
»Der Anfang beginnt mit dem Ende der Stille! Wenn es laut wird und wir wieder lachen, glücklich sind, ja wenn wir wieder Spaß haben. Dann beginnt unser Leben wieder neu. Dann sind wir keine Maschinen mehr, die ja nur nichts vergessen sollen. Dann sind wir wieder Menschen. Menschen die Leben. Aber wieso warten wir. Sorgen wir doch selber dafür, dass das Ende und der Anfang kommt. Nehmen wir unser Leben in die Hand.«
 




(Nun misstraue ich allerdings der Willkür einzelner Lehrer
und bin ich daher für eine einheitliche Regelung,
nämlich den Schnitt der Vorzensuren [s.u.].)



Hilfeschrei auf Instagram:

Vgl. auch

(ebenfalls auf Instagram erschienen)


Hauptteil

Es geht im Folgenden nicht darum, ob und - wenn ja - wie lange man wegen Corona Schulen schließen sollte / muss. Aber wenn man sie schließt ...


„Mensch ist man erst mit Abitur.“
(eigentlich müßig zu erwähnen,
dass solch bodenlose Arroganz hier ironisch gegen ihren Urheber gewendet ist)

Ich bin keine Spaßbremse:

(vor allem aber meinen Eltern und der „Bildungsoffensive“ der 60er Jahre dankbar, die mir das Abitur überhaupt erst ermöglicht hatten),

(wenn denn überhaupt eine Leistung erbracht und die Schule nicht bloß auf einer Arschbacke abgesessen wurde;

wobei es allerdings auch eine Leistung ist, mit minimaler Leistung so gerade eben über die Latte zu springen;

aufgrund der Inflation [oder doch Deflation?] der Abiturnoten wird heutzutage allerdings fast jedem das Abitur nachgeworfen),

(„man soll die Feste feiern, wie sie fallen“ und „so jung kommen wir nicht mehr zusammen“),

aber ...


... aber man kann es auch mal so sehen:

das Gymnasium und damit das Hochheilige Abitur sind die Heilige Kuh und das Goldene

(sich in Gold = Geld auszahlende)

Kalb des Bürgertums

                  (oder genauer: der "Halb-Akademiker"):

(Wie beim Tempolimit deutet sich allerdings eine Trendwende an:


(und dieser Artikel endet mit dem denkwürdigen Satz
,
gemünzt insbesondere auf die NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer [FDP!]),

Wie arrogant das Abitur aber nach wie vor ist, zeigt sich insbesondere an den immer gigantischeren Abiturfeiern, die letztlich nur besagen: „wir haben es geschafft - und ihr nicht“:


Einer der undankbarsten Jobs ist der des Schulministers, und das gilt insbesondere derzeit in der Corona-Krise

(wie - um alles in der Welt - kann man sich diesen Job freiwillig antun?!).

Aber bei einigen Schulpolitikern werde ich doch den Eindruck nicht los, dass es ihnen nicht im mindesten um "Bildung"

(was immer das sei) 

geht, sondern ausschließlich um

(siehe das FAZ-Zitat oben)

(und da natürlich insbesondere das Abitur):


 

  „Einstein erkannte [...], dass unsere Vorstellung von Zeit eine Abstraktion ist, die wir aus unserer Erfahrung mit rhythmischen Phänomenen ableiten: Herzschlag, Planetenumdrehungen und -umläufen, dem Ticken von Uhren.“
(Quelle:  )

*

„Aber irgendwie mag ich die katholische Kirche. Es ist so ein abgefahrener Verein.“
(Marc Uwe Kling)

*

"Die Frühromantiker fesselte zunächst nicht die christliche Dogmatik, sondern die ästhetische Aura des religiösen Lebens: die Symbole und opulenten Riten, die prächtigen Ornate, die kirchlichen Kunstwerke."
(Quelle: )

Der größte Schatz

(vielleicht sogar noch wichtiger als die Bibel)

der (katholischen) Kirche sind ihre Rituale


(wobei die Lebensstationen immer öffentlich begangen werden,
also keineswegs nur Privatsache sind,
und somit gesellschaftlich kontrolliert werden, aber auch verpflichten)
,

denn regelmäßige Rituale geben Sicherheit

(und diese Rituale können eigentlich gar nicht altertümlich genug sein, um Ewigkeitsanspruch zu haben).

Wenn aber die christlichen Kirchen derzeit

(wie alle größeren Sozialverbände, also z.B. auch Parteien und Gewerkschaften)

rasant an Bedeutung verlieren

(was man ansonsten nicht bedauern muss),

hinterlassen sie eine Leerstelle, die evtl. anderweitig gefüllt werden muss

(wenn das in einer vermeintlich individualistischen Gesellschaft, die zudem von den Jahreszeiten unabhängig ist, überhaupt noch möglich ist)

Insbesondere braucht anscheinend jede Gesellschaft Initiationsrituale, die Stufen des Erwachsenwerdens (neudeutsch: "coming of age") markieren: 

Bemerkenswert daran scheint mir

  1. etwas, was allerdings mit unserem Thema „Abitur“ gar nichts zu tun hat, seit auch Frauen das Abitur „machen“ können: nämlich dass die meisten Initiationsrituale auf Männer gemünzt sind, was mal (von wem?) damit erklärt wurde, dass

  1. , dass es eine Kontinuität von antiken über christliche bis hin zu nachchristlichen (Jugend-„Weihe“!) Initiationsriten gibt: wenn die einen verschwinden, hinterlassen sie eine Lücke, die verlässlich von anderen gefüllt wird;

es ist also wohl ein Irrtum zu meinen, nur Steinzeit-„Eingeborene“ und reaktionäre heutige Verbände (Studentenverbindungen, Militär) benötigten Initiationsrituale, wir aber seien so vernünftig, darauf verzichten zu können

(vielleicht ist der Fortschrittsglaube nur säkularisierte Religion: , wobei ich natürlich sofort ergänze, um aller Rechtfertigung des Sozialdarwinismus entgegenzutreten);

  1. , dass Initiationsrituale oftmals absichtlich schmerzhaft und beängstigend sind:   ;

  2. , dass Initiationsrituale häufig erniedrigend sind: aufsteigen darf erst, wer sich vorher bedingungslos unterworfen, also die gesellschaftlichen Machtstrukturen anerkannt hat und somit fortzusetzen verspricht

(was gesellschaftliche Stabilität garantiert);

  1. , dass Initiationsrituale ein Weiterschreiten gleichzeitig als persönliches Verdienst (Selbstüberwindung) markieren;

  2. : „Besonders stark ausgeprägt sind [...] solche Rituale bei Rand[!]gruppen, die sich selbst als Elite begreifen“, wobei natürlich gerade keine Elite ist, wer sich selbst dafür hält: .

Wie der Wikipedia-Artikel zeigt, gibt es auch in „Bildungseinrichtungen“

(und unsbesondere „Elite“-Schulen, also Gymnasien?)

Initiationsrituale, und zwar

(vgl. „der Ernst des Lebens“:

  “Christopher Robin hatte immer noch das Kinn in die Hände gestützt und betrachtete die Welt; dann rief er plötzlich:
»Pu!«
»Ja? « sagte Pu.
»Wenn ich… Wenn ich… Pu!«
»Ja, Christopher Robin?«
»Ich werde nicht mehr gar nichts tun.«
»Nie wieder?«
»Kein bisschen. Sie lassen einen nicht.«“)

Deshalb ist wohl nicht nur das Abitur, sondern sind auch und vor allem die Abiturprüfungen unvermeidbar

(zumal Abiturprüfungen immer besonders einschüchternd gestaltet werden: vgl. die extreme Geheimhaltung, Maßnahmen gegen Mogelversuche, das Antreten vor einer [teilweise im Anzug auftretenden] Prüfungskommission und den Umstand, dass die Schüler wohl ihre Noten, aber keine Begründungen dafür erfahren, die Noten also nur als „gottgegeben“ hinnehmen können).

So gesehen greift mein lange vor der Corona-Krise aufgestellter Vorschlag vielleicht doch zu kurz

(oder wird überhaupt jetzt erst bedenkenswert),

(da hat jemand einfach mal „einen schlechten Tag“, stolpert er über eine ungünstig gestellte Aufgabe oder hat er panische Prüfungsangst)


Mit


(, 23.12.2020)

hat der NRW-Ministerpräsident Armin Laschet das kommende Abitur nun also zur Chefsache gemacht

(vermutlich, weil „seine“ Schulministerin von ihm inzwischen doch allzu oft wegen voreiliger Beschlüsse in Corona-Zeiten zurückgepfiffen werden musste).

Laschets Äußerung bleibt allerdings undeutlich, wofür es zwei Gründe geben mag:

  1. , dass keiner weiß, wie die Corona-Lage in vier Monaten aussehen wird

  2. , dass Laschet im Gegenteil sehr wohl weiß, dass in nur vier Monaten keine grundsätzliche Wende der Lage zu erwarten ist, und deshalb schon mal einen Versuchsballon startet, der in Wirklichkeit besagt: „das kommende Abitur wird nicht regulär stattfinden“.

Der Satz

(bzw. im Original wohl

„Angesichts der hohen Infektionszahlen ist [aber] noch nicht klar, ob es 2021 ein reguläres Abitur geben wird. Das Abitur 2021 gehört zu den Unwägbarkeiten der Pandemie.“)

ist so raffiniert indirekt ausgedrückt, dass ich vermute, dass daran Laschets halbe Staatskanzlei drei Tage und Nächte gedrechselt und Laschet ihn stundenlang auswendig gelernt hat:

  1. kann nichtmal ein Ministerpräsident das Abitur einfach ausfallen lassen oder in bessere Zeiten (um ein ganzes Jahr?) verschieben, was man den künftigen Abiturienten ja nun wahrhaft nicht antun könnte. D.h. das nächste Abitur wird garantiert im Frühjahr 2021 stattfinden, aber eben eventuell nicht in seiner regulären Form.

  2. bleibt offen, inwieweit das anstehende Abitur nicht regulär stattfinden könnte, welche Änderungen (Streichungen) also im Vergleich mit dem „regulären“ -Abitur vorgenommen werden könnten / müssten.

  3. kann auch bedeuten: „höchstwahrscheinlich wird das kommende Abitur regulär stattfinden, aber garantieren kann ich das nicht [mehr]“,

... wobei ich, wo ich schon am orakeln bin, auch raushöre: „garantieren kann ich das leider nicht [mehr]“, also „ich würde ja gerne, kann aber evtl. leider nicht“ bzw. „falls das nächste Abitur nicht regulär möglich ist, bin nicht ich dafür verantwortlich, sondern unterliege ich [auch nur] Sachzwängen“, womit Laschet nicht als „Killer“ des Hochheiligen Abiturs verantwortlich gemacht werden kann, falls es doch "irregulär" stattfinden muss.

Wenn meine Vermutung zutrifft, dass zwischen den Zeilen ein „leider“ gelesen werden muss, wird ein irreguläres Abitur als bedauerliches Ereignis dargestellt, was wieder mal bestätigt, wie hoch das (reguläre) Abitur traditionell gehängt wird

(nebenbei: zu „niedrigeren“ Schulabschlüssen hat Laschet sich natürlich nicht geäußert, denn "wen interessiert's?").

Statt des „leider“ setze ich aber probeweise mal ein „glücklicherweise“ ein:

Schüler wie Lehrer brauchen derzeit dringend ein Signal der Erleichterung

(und „Planungssicherheit“ [s.u.]).


Wie schon gesagt: vielleicht ist Laschets Äußerung ein wohlkalkulierter Versuchsballon, um langsam auf "Schlimmeres" (horribile dictu: ein irreguläres Abitur) vorzubereiten.

Und vielleicht ist jetzt (Dezember 2020) schon geplant, dass Laschet in den nächsten Wochen und Monaten die Dosis langsam erhöht ("Salamitaktik"), damit sich "die" Öffentlichkeit Stück für Stück an ein "irreguläres Abitur"  gewöhnt.


Ich finde aber auch, dass Laschet sich durch die öffentliche Andeutung selbst in die Pflicht genommen hat, in allernächster Zeit konkrete Entscheidungen zum kommenden Abitur zu treffen.

Denn bis zum Abitur 2021 sind es nur noch ca. vier Monate, und da wird es doch dringend Zeit, dass Schüler und Lehrer etwas bekommen, was derzeit wahrhaft nicht einfach zu erreichen ist, nämlich „Planungssicherheit“:

Zwecks „Planungssicherheit“ ist zweierlei zu berücksichtigen:

  1. das, was schon sicher ist, also

    1. die Vergangenheit:

im ersten „Lockdown“ (also im Frühjahr 2020) und im zweiten Lockdown (also um Weihnachten 2020) ist erheblich „Präsenz“-Unterricht ausgefallen, der großteils mehr schlecht als recht durch Online-„Distanz“-Unterricht ersetzt worden ist;

    1. die Gegenwart:

gestern (27.12.2020) haben die ersten Impfungen (besonders gefährdeter alter Leute) begonnen;

  1. die vermutliche Zukunft:

es ist noch gar nicht klar, ob der derzeitige zweite Lockdown (und damit auch die Schließung der Schulen) bis zum 10.1.2021 ausreichen wird oder doch noch verlängert werden muss.



„Als NotabiturNotreifeprüfung oder Kriegsabitur wurde ein Abitur nach Ablegung einer erleichterten Reifeprüfung gegenüber den normal üblichen Bedingungen und Voraussetzungen bezeichnet. Das Notabitur gab es während des Ersten und Zweiten Weltkriegs im Deutschen Reich. [...] An einigen preußischen Gymnasien wurden bereits 1866 und 1870 Examina vorgezogen, damit sich Studenten nach einem Notabitur als Kriegsfreiwillige melden konnten.
[...]
»Für uns war das Ganze ein gewaltiger Spaß. Die Uniform gab auch dem schlechtesten Schüler noch einen Zug von Manneswürde, gegen die der Lehrer machtlos war. … Es wurden uns nur die leichtesten Fragen gestellt, in denen keiner versagen konnte. Das Abitur, der Schreckenstraum vieler Jugendjahre, wurde zu einem Familienfest.«
[Carl Zuckmayer]
[...]“
(Quelle: )

Aus meiner Sicht müssen aus der derzeitigen unklaren Lage im Hinblick auf das Abitur SOFORT mindestens zwei Konsequenzen gezogen werden:

  1. : weil bereits so viel Unterricht ausgefallen ist, muss der Prüfungsstoff erheblich abgespeckt werden:

pars pro toto in der Mathematik: der Prüfungsstoff fürs reguläre Abitur besteht aus den drei Teilgebieten Analysis, Vektorgeometrie und Wahrscheinlichkeitsrechnung, die in dieser Reihenfolge durchgenommen werden. Wenn es nach mir ginge, würde nun das letzte, derzeit im Unterricht behandelte Teilgebiet, also die Wahrscheinlichkeitsrechnung, ersatzlos gestrichen, was auch heißt: SOFORT abgebrochen.

Das wäre zwar schade, weil den Schülern damit eine spezielle mathematische „Denkweise“ entgehen würde, aber nunmal unvermeidlich.

Und ob jemand (nicht) mathematisch denken kann, lässt sich auch an „nur“ zwei Themengebieten abprüfen.

  1. : wegen der Unwägbarkeiten der näheren Zukunft und der unmittelbaren Nähe des Abiturs 2021wird AB SOFORT

(nochmals: mehr schlecht als recht)

erarbeitete wiederholt und gefestigt.

D.h. ich würde den Stoff jetzt noch weiter entschlacken, als er dankenswerterweise sowieso schon vom Schulministerium in NRW entschlackt worden ist.

Nehmen wir nur wieder das Beispiel Mathematik und da nur die Grundkurse:

(Letzteres bedauere ich durchaus, und doch: „weniger ist mehr“, wenn das „weniger“ besser verstanden wird);

Wegen der noch weiter gehenden einschneidenden Entscheidungen, die ich hier vorschlage, würde doch die Welt nicht untergehen - und das Abitur doch nicht entwertet!

Ich kann mir sogar

(und zwar wieder SOFORT!)

eine noch viel weitreichendere Entscheidung vorstellen, die schon für das Abitur 2020 vorgeschlagen wurde: 

 


(, 25.3.2020)

Allerdings folgte noch am selben Tag:

(man beachte allerdings "Zum jetzigen Zeitpunkt")

 

Dabei wäre es doch so einfach: die Abiturprüfungen würden im Jahr 2021 ersatzlos gestrichen und der Abiturschnitt würde

(wie oben schonmal angedacht)

einfach aus den Noten der Halbjahre berechnet, was auch ein Signal an die Schüler wäre: setzt Euch gefälligst in den verbleibenden wenigen Monaten auf den Hosenboden und zeigt, was Ihr könnt!

Ich hätte auch keine Probleme damit, dass die Lehrer aufgefordert würden, AB SOFORT

Mehr noch: ich hätte nichtmal Probleme damit,

(wenn ich noch Lehrer wäre, würde ich das klammheimlich sowieso tun),

(und sei‘s mehr schlecht als recht).

Denn wir haben derzeit mit der Corona-Epidemie doch ganz andere, viel größere Probleme als das - so gesehen - nebensächliche Abitur.

(Vgl. 

Aber wenn wir mal eine Sekunde lang von der eigentlichen Katastrophe absehen, also von den entsetzlich vielen Corona-Kranken (teilweise mit schlimmen Langzeitfolgen) und -toten

 
(womit ich hier ausnahmsweise mal „BILD“ zitiere),

so kann man es doch auch mal so sehen: die jungen

(alles in allem von Corona am wenigsten betroffenen)

Leute

(und gerade diejenigen, die die derzeitigen Einschränkungen einsehen und einhalten)

müssen doch das Gefühl haben, dass Corona ihnen die halbe Jugend

("die schönste Zeit im Leben"?)

kaputt macht:

(Videos der Bundesregierung,
die von einigen penetrant Humorlosen
mal wieder übelst verrissen worden sind)

Da haben die jungen Leute es allemal verdient, dass man ihnen im Rahmen der menschlichen Möglichkeiten zumindest in Sachen Zeugnisse und Schulabschlüsse das Leben erleichtert!

Auch sowas nenne ich „Fürsorgepflicht“ der Erwachsenen (Schulpolitiker und -bürokraten sowie Lehrer).


Die Schulpolitik und -bürokratie hat ja sowieso eine Heidenangst vor „der“ öffentlichen Meinung - und einer eventuellen Prozessflut.

Derzeit hat die Schulpolitik die Wahl zwischen Pest und Cholera:

Des weiteren sind vermutlich in den Folgejahren Prozesse zu erwarten: „Warum wurde das Abitur 2021 verschenkt und müssen wir wieder ein »richtiges« Abitur machen?“

Aber da gibt‘s ja inzwischen einen Lösungsvorschlag von geradezu salomonischer Weisheit:

[Nachtrag: dieser Vorschlag hat auf den ersten Blick den schönen Nebeneffekt, dass später niemand (kein Arbeitgeber) wissen kann, ob ein Abiturient ein (mit Abiturprüfungen) oder ein (allein auf Basis der Vornoten) gemacht hat. Aber leider gilt das eben nur auf den ersten Blick, denn „die üblichen Verdächtigen“ würden dann vermutlich allen Abiturienten des Jahrgangs 2021 unterstellen, „nur“ ein „Abitur light“ gemacht zu haben.]


Ein viel größeres Problem ist es aber, dass nun gewisse Leute ein Abitur 2021 ohne Abiturprüfungen als „Abitur light“ denunzieren werden.

Mir scheint sogar, dass die Leute, die da eine negative Etikettierung befürchten, diese überhaupt erst herbeireden:

Wen interessiert‘s aber in zwei Jahren noch, in welchem Jahrgang jemand sein Abitur gemacht hat?!: ich habe mein Abiturzeugnis nur ein einziges Mal in meinem Leben gebraucht, nämlich bei der Bewerbung um meinen Studienplatz.

Insbesondere ist das vermeintliche „Abitur light“ vermutlich wegen der föderalen Kleinstaaterei

(die durchaus auch Vorteile hat, nämlich z.B. bislang [wie lange noch?] ein bundesweites Zentralabitur verhindert)

unmöglich. Vor allem würde natürlich mal wieder der

(der ja schon das reguläre NRW-Abitur als „Abitur light“ verachtet)

auf einem „richtigen“, möglichst harten Abitur bestehen - und ein abgespecktes NRW-Abitur nicht anerkennen, so dass NRW-Abiturienten nicht in Bayern studieren könnten.

(Nebenbei: die bayerischen Mathematik-Abituraufgaben sind auch nur schwachsinnig.)

Und deshalb sind vermutlich all meine Vorschläge müßig.


Trotzdem einige weitere bedenkenswerte Vorschläge aus dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020:

*

*